Ist die Türkei ein Teil Europas und/oder soll sie irgendwann in die EU?

  • Zitat

    Original geschrieben von fahrsfahrwerkaus
    Und natürlich benehmen sich Deutsche im Urlaub auch daneben, keine Frage. Aber die, die auswandern, und nicht so doof sind, wie die, die im Privatfernsehen vorgeführt werden, passen sich auch der Kultur an. Meistens zumindest, Ausnahmen wie in Südamerika gibts natürlich immer.


    Ich weiss ja nicht, ich kann z.B. nur von den Ferienhauskolonien an der Costa Blanca sprechen. Von den Deutschen, die da leben, integriert sich nach meiner Erfahrung auch so gut wie niemand in die span. Gesellschaft. Die treffen sich alle untereinander abends in ihrer Stammkneipe oder grillen am eigenen Pool. Sie sprechen nur wenig Spanisch und brauchen auch nicht viel mehr, um dort leben zu können. Gleiches gilt übrigens für die Briten, Russen, Schweizer etc., die dort leben.
    Oder die Deutschen, die aus steuerlichen Gründen nach Frankreich ziehen, aber weiterhin in D arbeiten und ihre Kontakte nur in D haben.
    Man wird immer negative Beispiele finden, aber man sollte sie nicht pauschalisieren.
    Ich finde, die allermeisten Türken integrieren sich hier durchaus und ich sehe auch keine religiöse Ausgrenzung.


    Handiest: mir persönlich (!) geht es da wie Dir. Meiner Frau übrigens auch. Wenn wir uns diese Auswanderersendungen anschauen, müssen wir ehrlich zugeben, uns zwar vorstellen zu können, z.B. nach Norwegen auszuwandern, nach Spanien, USA, Australien oder Kanada und Neuseeland, aber z.B. nicht nach Tunesien in die Türkei oder nach Dubai, Korea oder Taiwan. Jeder muss selbst wissen, wie weit seine Anpassungsfähigkeit und sein Anpassungswille gehen.
    Ich persönlich kann mir ein Leben auch nur in einem annähernd "europäischen" Land vorstellen, wobei Australien etc. für mich aufgrund ihrer Entstehung und kulturellen Prägung noch deutlich europäisch erscheinen.
    Das hat nichts mit Intoleranz zu tun, sondern wie gesagt, mit dem eigenen Willen und der eigenen Fähigkeit, sich anzupassen.

    “Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muß sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.” Albert Einstein

  • Die Türkei kann irgendwann einmal der EU beitreten aber auf keinen Fall im Moment- und das hat weniger mit der Türkei oder den Türken zu tun. Es ist halt momentan einfach so, dass die EU erst einmal mit der "Irland-Krise" fertig werden muss und sich selber eine Gestalt geben muss- und dann kann man über die Aufnahme weiterer Mitglieder nachdenken- erst recht wenn diese neuen Mitglieder einer vollkommen anderen Kultur entstammen.


  • Ich wollte Sie nicht belehren und habe auch nicht behauptet, daß Sie gegen Ihren Dienstherren illoyal seien, ich habe lediglich gesagt, daß es Sie manchmal ein wenig anders tönen, als man dies von einem loyalen deutschen Beamten erwarten würde.


    Und ich kann auch durchaus nachvollziehen, daß - wie man so schön sagt - zwei Seelen in Ihrer Brust wohnen. Die entscheidende Frage ist lediglich, welche von beiden im Fall konfligierender Interessen die Oberhand behält. Von einem deutschen Beamten muß man erwarten können, daß er im Konfliktfall die Interessen des deutschen Staates durchsetzt und zwar auch, falls diese einmal den Interessen seines Herkunftslandes entgegenstehen sollten. Und genau das hört sich bei Ihnen eben nicht immer so an.
    Das hat nichts mit Moslem, Islamist oder Verfassungsfeind zu tun, sondern ist ausschließlich eine Frage der Loyalitäten. Und die müssen bei einem Beamten eindeutig sein.

  • Zitat

    Original geschrieben von Jochen
    Die treffen sich alle untereinander abends in ihrer Stammkneipe oder grillen am eigenen Pool...



    Grillen und Stammkneipe ist eine Sache, hier mal zwei selbst erlebte Beispiele:


    1. Beispiel:
    Autobahnraststätte, 2 5-sitzige Autos mit stuttgarter Herkunft und mehr als 10 Personen herumwuselnd. Neben der Bank zwei schöne lauschige offene Feuerstellen genährt von Holz aus dem nahen Wald. Ich kann ja verstehen, wenn man nicht unbedingt auf die gebotene Burger King oder Rastplatz Verpflehung steht. Aber in Köln kostet das direkte Grillen auf dem Boden im Park wie viel? Habe mich dann mal genötigt gefühlt die Helfer in Grün (Verzeihung in Blau) zu kontaktieren. Ich Denunziant. Das Holz aus dem Wald brannte übrigens nur deswegen so gut, weil es a**** trocken war


    2.Beispiel:
    Baulücke in einem kleinen Dorf wird geschlossen. Die Herkunft der neuen Nachbarn "sollte" in der heutigen Zeit doch vollkommen egal sein. Haus fertig, und ein Haustier war ebenfalls mit eingezogen. Ein kleines Lämmchen. Die 5 jährige Tochter der AltNachbarn hat auch mehrere Tage begeitert durch den Zaun das Tierchen füttern können. Zumindest bis zum Wochenende, die Strasse füllte sich mit Autos, und plötzlich kam ein vollkommen verstörtes 5 jähriges Kind zur Mutter und das Pflaster auf dem Hof war rot eingefärbt. Schuld war natürlich die Mutter, denn sie hätte ja wissen müßen was mit dem Tier geschieht. Hat natürlich nicht lange gebraucht bis die Story per Zaunfunk im Dorf die Runde machte. Perfekter Einstand würde ich sagen.


    2 nette Beispiel. Leider auch zwei Beispiele die vorzüglich dazu genutzt werden können Öl ins feuer zu gießen. Und die Ölträger sind leider meist eben rechtshänder. Aber auch zwei vollkommen vermeidbare Geschehnisse.



    Eventuell ist es eben doch ab und an angesagt, so zu Grillen wie es im jeweiligen Land vorranging üblich ist. Und einen EUweiten einheitlichen Grillstandard zu finden, ist eben umso schwerer, je mehr Varianten es gibt. Besonders wenn eine Variante so ganz weit weg vom Mittelmaß ist.

  • Zitat

    Original geschrieben von fahrsfahrwerkaus
    Wenn Erdogan mal 10 Jahre weg vom Fenster ist, und die Türkei 10 Jahre lang nach Attatürk gelebt hat, kann man sich wieder mal beraten.


    Im Augenblick steht aber wohl eher zu vermuten, daß zwar Erdogan wegkommt, daß die Türkei aber weniger nach Atatürk, sondern eher nach Evren lebt. Daß in der Türkei die laizistisch-kemalistische Staatsform offenbar auf Dauer nur dadurch aufrechtzuerhalten ist, daß alle paar Jahre das Militär putscht, ist einer der Hauptpunkte, die in meinen Augen gegen ihre EU-Mitgliedschaft sprechen. Denn offenbar gibt es nur die beiden Alternativen, daß sich die Türkei langsam aber sicher in einen vergleichsweise sanften Gottesstaat umwandelt oder von Generalen mit eiserner Faust regiert wird. Beide Möglichkeiten wären in einem großen EU-Staat nicht sehr erfreulich.

  • siemensianer


    Ihre Beobachtungen könnten damit zu tun haben, daß es eben eigentlich nicht nur ein, sondern gleich zwei Länder namens Türkei gibt. Das eine ist die westlich orientierte Türkei der städtischen Funktionseliten, das andere ist die orientalisch-archaische Türkei anatolischer Schafhirten. Und in dieser zweiten Türkei scheint der überwiegende Teil der türkischen Bevölkerung zumindest soziokulturell immer noch zu leben. Unser Problem besteht nun eben darin, daß es i.d.R eben nicht die vergleichsweise wohlhabenden Eliten sind, die auf die Idee verfallen nach Westeuropa auszuwandern.

  • Zitat

    Original geschrieben von schmidt3
    Unter den von Dir beschriebenen Voraussetzungen müßtest Du aber wohl keinen ausländischen Paß haben, wenn Du nicht wolltest: Hier geboren und aufgewachsen, gute Deutschkenntnisse, Achtung von Gesetz und Ordnung, Respekt vorm deutschen Staat... Wenn alle Leute, die die Staatsbürgerschaft beantragen, solche Voraussetzungen mitbrächten, könnten wir glücklich sein. Ich wüßte nicht, was Deiner Einbürgerung im Wege stehen sollte.


    Meiner Einbürgerung steht nichts im Wege (außer das es finanziell recht kostspielig ist, da ich meine alte Staatsbürgerschaft abgeben müsste). Da ich mit einer Niederlassungserlaubnis quasi die gleichen Rechte wie ein EU-Bürger habe, brauch ich erstmal nicht den deutschen Pass, und kann mir so erstmal das Geld für eine Einbürgerung sparen.

  • Kanalratte


    Die Einbürgerung kostet 255.- zzgl. Kosten für den neuen Pass 50.-€, Perso 6.-€ und Bilder und beglaubigte Übersetzung nochmal zusammen 30 Euro. Dazu kommen noch ca. 170.-€ Ausbürgerungskosten im Heimatland für alle Dokumente. Am besten gibt man dort noch mal 30 Euro für einen Rechtsanwalt aus, so wie ich es getan habe und er holt die zig tausend Bescheinigungen für einen, die man sonst nicht zusammenbekommt und eher einen Nervenzusammenbruch erleidet. Dagegen ist die deutsche Bürokratie wie Kindergeburtstag. Wenn man sich natürlich hier in der Botschaft ausbürgern lässt, kostet es knapp 420 Euro zgl. der ganzen Einbürgerungskosten. Von daher am besten Urlaub und Ausbürgerung kombinieren um zu sparen.


    Also ich habe ca. 550€ im ganzen für meine Einbürgerung bezahlt. Hätte ich es über die Botschaft gemacht wären es knapp 800 Euro gewesen. Du findest es teuer eine Freundin von mir hatte vor über 10 Jahren noch ca. 3500DM bezahlt. Dagegen ist der deutsche Ausweis heute ein Schnäppchen.


    Bedenke das du wenn du dich in Mazedonien ausbürgern lässt, jegliches Recht auf Eigentum, Land und Erbe verwirkst. Falls Ihr sowas besitzt solltest du dir das genau überlegen.


    Ansonsten hat es sehr viele Vorteile einen deutschen Pass zu haben.

  • Wenn du das Recht den Bundestag wählen zu koennen oder dieses Land aktiv mitgestalten zu koennen für unwichtig erachtest, dann schon , ja.



    Das ist zwar auf dauer erbärmlich aber immerhin die Schwelle zwischen Deutsch und Ausländisch.

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