Ist die Türkei ein Teil Europas und/oder soll sie irgendwann in die EU?

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    Original geschrieben von schmidt3
    Ich wollte Sie nicht belehren und habe auch nicht behauptet, daß Sie gegen Ihren Dienstherren illoyal seien, ich habe lediglich gesagt, daß es Sie manchmal ein wenig anders tönen, als man dies von einem loyalen deutschen Beamten erwarten würde


    Wozu Siezt Du ihn nun plötzlich? Willst Du künstlich eine Art Distanz schaffen?

    “Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muß sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.” Albert Einstein

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    Original geschrieben von Jochen
    Wozu Siezt Du ihn nun plötzlich? Willst Du künstlich eine Art Distanz schaffen?


    Es hat mich neulich schon mal jemand darauf aufmerksam gemacht, daß Siezen bei TT unüblich sei. Meine Entschuldigung ist hier wieder die gleiche, nämlich, daß ich mich manchmal sogar zeitgleich auch in anderen Foren aufhalte, wo sich - vermutlich aufgrund eines höheren Durchschnittsalters - alle Siezen. Wenn Du mal genauer nachsiehst, wirst Du bemerken, daß ich z.B. die Nutzer Kaan und Siemensianer gesiezt, den Nutzer Kanalratte hingegen geduzt habe, weil der in dem Beitrag, auf den ich mich bezog, seinerseits das Du verwendet hatte. Ich möchte damit weder jemanden herabwürdigen ober hervorheben, noch habe ich die Absicht in irgendeiner Form Nähe oder Distanz zu schaffen, es ist schlichtweg Zufall. Ich werde mich allerdings bemühen bei TT zukünftig ein einheitliches "Du" zu verwenden, damit keinerlei Mißverständnisse aufkommen können.
    Ohne das jetzt böse zu meinen, habe ich allerdings den Eindruck, daß Dein Sinn für sagen wir einmal politisch-korrekte Umgangsformen doch sehr geschärft ist. Auf die Idee, daß ausgerechnet das Siezen als Ausdruck einer feindlichen Haltung interpretiert werden könnte, wäre ich jetzt erst einmal nicht gekommen. Hätte ich Kaan geduzt und andere gesiezt, wäre mir das aber vermutlich noch negativer ausgelegt worden.. Man muß wirklich vorsichtig sein ;)

  • Zitat

    Original geschrieben von schmidt3
    Ich werde mich allerdings bemühen bei TT zukünftig ein einheitliches "Du" zu verwenden, damit keinerlei Mißverständnisse aufkommen können.


    :top:

    “Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muß sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.” Albert Einstein

  • Zitat

    Original geschrieben von Jochen
    Gibt es die denn irgendwo, ich meine, so generell? Sind Gesellschaften dazu überhaupt imstande? Sollte man voll integriert sein?
    Jeder ist und bleibt doch ein Individuum. Man kann sich einer Gesellschaft anpassen und ihre Normen, Werte usw. übernehmen. Aber tut das jeder? Ich denke nicht, es tun nicht einmal all diejenigen, bei denen keiner an Integration denkt.
    Integration sollte auch nicht übertrieben werden. Sobald man seine eigene Identität aufgeben oder austauschen soll, läuft meiner Meinung nach was verkehrt.


    Ich weiß es nicht, aber es kann doch nicht sein, dass jemand beispielsweise, dessen Familie in der dritten Generation hier lebt, sagt, er sei kein Deutscher und immer von "den Deutschen" spricht!


    Ich verstehe einfach diese ablehnende Haltung nicht. Ich höre einfach selten von Menschen mit Migrationshintergrund, dass sie gern hier sind.

    Ich habe dem Teufel meine Seele verkauft und jetzt sind wir beide ein wenig aufgeregt...!

  • Mich würde mal interessieren , wo du aus meinen Posts die ablehnende Haltung herausliest :)

  • Zitat

    Ich weiß es nicht, aber es kann doch nicht sein, dass jemand beispielsweise, dessen Familie in der dritten Generation hier lebt, sagt, er sei kein Deutscher und immer von "den Deutschen" spricht! Ich verstehe einfach diese ablehnende Haltung nicht. Ich höre einfach selten von Menschen mit Migrationshintergrund, dass sie gern hier sind.


    Das du selten zu hören bekommst das Menschen mit Migrationshintergrund gern hier sind liegt daran das ein Grossteil auch hier zu den schwächsten und ärmsten der Gesellschaft gehören. Wenn Sie dann erstmal hier ein paar Krümel des Wohlstandes abbekommen haben und in die Heimat in den Urlaub fahren sind Sie plötzlich interessant weil Sie aus Deutschland mit Geld und meist schicken Auto kommen, die Verwandtschaft umringt sie, plötzlich sind die die hier zur Randgruppe gehören auf einmal Mittelpunkt. Man fühlt sich befreit von der hier herrschenden Kälte und Anonymität weil plötzlich du jede Menge "Freunde" hast. Die Nachbarn laden dich spontan zum grillen, Kaffee ect. ein. Aufgrund der geringen Kaufkraft die dort meist herrscht, kann man sich alle Wünsche und Unternehmungen erfüllen. Ein Menschliches Grundbedürfnis die Annerkennung wird dort halt gestillt.


    Ein wichtiger Punkt ist auch das jeder Urlaub grundsätzlich schöner ist als das schnöde zu hause. Wenn der Urlaubsort zugleich Heimat ist es natürlich nochmal ne Spur besser wie "Deutschland".


    Im grossen und ganzen ein Traum, aber meist würde er zerplatzen wenn die jenigen die hier auf Deutschland schimpfen in Ihrer Heimat auf einmal auf Dauer leben müssten mit den Mitteln der Einheimischen.


    Weil ich habe abgeschobene Personen im Ausland kennengelernt, die sich hier nicht benehmen konnten und die Heimat so schön fanden. Jetzt auf einmal lieben Sie Deutschland wenn Sie für 100 Euro im Monat schufften müssen bei 42 Grad im Schatten.


    Auch ich habe früher nix über meine Heimat kommen lassen.


    Aber irgendwann sollte der Punkt kommen, wo man die Realität einsieht. Was hat mir diese Heimat gegeben wo ich einmal im Jahr für 3 Wochen bin? Was wäre dort aus mir geworden wenn 70% unterhalb der Armutsgrenze leben? Wenn es so schön dort ist warum sind die Leute erst ausgewandert. Fragen über Fragen!


    Ich habe erst mit der Geburt meiner Kinder gemerkt, das Deutschland meine Heimat ist. Ich habe hier gelernt und einen Job bekommen womit ich vielleicht keine Bäume ausreisen kann aber meiner Familie und mir ein würdiges Leben ermögliche.


    Weil wenn ich meine Verwandtschaft sehe, wie sie Monat für Monat ums überleben kämpfen müssen, bin ich froh in Deutschland zu sein.


    Weil dort ist die Devise hast du kein Geld bist du ein niemand. Hier gibt es noch Hartz4, Kindergeld, Wohngeld ect. wenn die Armut an die Tür klopft. Dort heisst arm gleich aus der Mülltonne sein essen rausfischen und unter der Brücke schlafen oder bei der Verwandtschaft einquartieren.


    Ich hoffe dir einen kleinen Einblick in die Sichtweise vieler Migranten gegeben zu haben.

  • Zitat

    Original geschrieben von Kaan
    Wenn du das Recht den Bundestag wählen zu koennen oder dieses Land aktiv mitgestalten zu koennen für unwichtig erachtest, dann schon , ja.



    Das ist zwar auf dauer erbärmlich aber immerhin die Schwelle zwischen Deutsch und Ausländisch.



    Der weinrote Pass Deutschlands (oder besser gesagt der "Europäische Union", denn es steht ja nicht nur physisch über Bundesrepublik Deutschland eben Europäische Union auf dem Dokument) hat international gesehen schon einige Vorteile. Und dieses nicht nur was die Visa-Frage angeht. Zwar ist es unter der Fischeraußenpolitik zu der Unsitte geworden staatliche Hilfeleistungen den Bürgern im Nachhinein zu berechnen, aber dennoch öffnet ein solches Dokument im Fall der Fälle so manche Tür. Und sei es nur um in ein Flieger eines befreundeten Landes zu gelangen um eine Region schnellst zu verlassen. Mag eine Eigenart von mir sein, aber ich informiere mich immer im vornherein darüber, wo ich in einem Zielgebiet eine Vertretung eines EU Mitgliedlandes finden kann.


    Leider bleibt zu befürchten, dass zukünftig bei gleichbleibend raschen Wachstums genau diese europäischen Vorteile, die der Bürger an seiner eigenen Person am ehesten selbst erfahren kann, verloren gehen werden. Aber genau diese Vorteile sind es, die dafür Sorge tragen, dass ein jeder Bürger diesen Verbund eben persönlich bejahen wird. Seine persönlichen Vorteile eben.


    So wie schon der € dank des Kohlkopfes viel zu schnell physisch eingeführt wurde. Man hätte gerne die Preise über ein Zeitraum von mindestens 12 Jahren parallel in Landeswährung und € auszeichenen können, und so eine stetige Harmonisierung grenzüberschreitend herbeiführen können. Leider politisch nicht machbar, weil jeder nur noch für sich selber ernten und nicht mehr für zukünftige Nachfolger Kulturen anlegen will. Aber ich komme vom Thema ab.


    Genau wie beim € benötigt eine wirklich langfristig angelegte Partnerschaft einen gewissen Zeitraum der Harmonisierung um wirklich nachhaltig zu funktionieren. Und genau dieses ist das Problem mit der Türkei. Denn eine wirkliche Harmonisierung ist nicht zu erwarten, eher ein harmonisches Nebeneinander. Und dies benötigt nicht wirklich eine feste eheähnliche Partnerschaft, sondern wohl eher eine offene Beziehung.

  • Zitat

    Original geschrieben von schmidt3
    Im Augenblick steht aber wohl eher zu vermuten, daß zwar Erdogan wegkommt, daß die Türkei aber weniger nach Atatürk, sondern eher nach Evren lebt. Daß in der Türkei die laizistisch-kemalistische Staatsform offenbar auf Dauer nur dadurch aufrechtzuerhalten ist, daß alle paar Jahre das Militär putscht, ist einer der Hauptpunkte, die in meinen Augen gegen ihre EU-Mitgliedschaft sprechen. Denn offenbar gibt es nur die beiden Alternativen, daß sich die Türkei langsam aber sicher in einen vergleichsweise sanften Gottesstaat umwandelt oder von Generalen mit eiserner Faust regiert wird. Beide Möglichkeiten wären in einem großen EU-Staat nicht sehr erfreulich.


    Was vermutlich daran liegen könnte, dass die Türkei ein sehr junges Land ist und die "ältere" Bevölkerung noch die Überhand hat. In ein paar Jahren wird allerdings immer mehr die derzeit jüngere Bevölkerung dominieren, welche fast komplett westlich geprägt ist.
    kleines Bsp: Demonstrationen gegen die Aufhebung des Kopftuchverbotes in türkischen Unis.



    Ich selber bin ebenfalls ein deutsch-türke, doch ich sehe mich weiterhin als einen Türken.
    Wieso?
    Durch meine Erziehung bin ich einfach sowohl deutsch, als auch türkisch geprägt wurden doch bei den Türken ist der nationalstolz ein anderer als in Deutschland, wo -leider- wohl noch der geschichtliche Hintergrund eine kleine Rolle einnimmt.


    Doch ich habe mich einbürgern lassen, weil ich nicht nur die Vorteile eines EU-Landes genießen möchte, sondern auch aktiv an der politischen Gestaltung des Landes mitwirken möchte.
    Schließlich lebe ich hier und möchte auch weiterhin in einem politisch gesunden Staat leben.


    Und zu mir sei im Gegensatz zu Kaan gesagt, dass ich nur sehr wenige türkische Freunde habe und (fast) nur im familiären Umkreis türkisch spreche.


    Meiner Meinung nach muss man sich integrieren, allerdings sollte man nicht vergessen woher man kommt und ich denke, dieses würde man vergessen, wenn man irgendwann sagt, man sei z.B. Deutscher und gibt vielleicht seinen Kindern später Deutsche Namen.


    Für eine multikulturelle Gesellschaft ist es meiner Ansicht nach unbedingt wichtig, dass die Leute sich auch weiterhin zu ihrem "Heimatland"* bekennen, solange man es nicht übertreibt.



    * Diese Grenze, was man als Heimatland definiert, schwindet auch immer mehr...
    Ich definiere es so: Mein Heimatland: Türkei --- Meine Heimat: Deutschland




    So, ich war gerade paar Minuten weg, daher habe ich den Faden verloren und gebe das trotzdem zur Diskussion frei.
    ;)

    Signatur wieder da! Oder fehlt sie doch?

  • Zitat

    Original geschrieben von laudanum
    Ich höre einfach selten von Menschen mit Migrationshintergrund, dass sie gern hier sind.


    Aber sie sind noch hier. Und das hat sicher ihre Gründe. Die wenigsten ihrer Vorväter werden sich D als Land ausgesucht haben wegen seiner schönen Landschaften, guten Weine und seiner tollen volkstümlichen Musik. Das wird in erster Linie wirtschaftliche Gründe gehabt haben.
    Aber ich denke, ich kann mich schon einigermassen gut in die Denkweise oder die Probleme der dritten Generation hinein fühlen. Und einige hier drücken das ja auch aus. Siehe z.B. DarkEmpire64!
    Wir wollen, dass die Einwanderer sich anpassen, aber so richtig bringen wir nicht rüber, was und wer wir genau sind. Weil wir selbst ein Problem mit unserer Identität haben.
    Ich finde es aber besser, sich über seine Identität ständig Gedanken zu machen, als sie wie festgemeisselt zu sehen und mit so einer Sturheit und Verbohrtheit durch die Welt zu laufen und zu sagen "Ich bin ein... und daher der Held!", wie es durchaus manche Nationen tun. Stolz kann zwei Seiten haben: eine gute und eine schlechte.
    Mir ist ein kritisches Selbstbewusstsein, das Dinge hinterfragt, immer noch am liebsten. Und daher finde ich es auch völlig ok, wenn ein Einwanderer in der dritten Generation immer noch nicht 100%ig sagen kann, dass er hierzu oder hierzu gehört, sondern vielleicht eher sagt "Einerseits so, andererseits so".
    Ich denke nicht, dass man sich so klar in eine Schublade stecken muss. Das meine ich auch mit Individualismus.
    Es mag durchaus Parallelgesellschaften geben, wohl vor allem in größeren Städten und so richtig gut finde ich das auch nicht. Aber das stellt doch nicht die Mehrheit der Lebenssituationen dar, oder?!
    Besonders unter Jugendlichen sehe ich, zumindest hier, eigentlich recht viele Deutsche, die mit anderen Jugendlicher mit offensichtlichem "Migrationshintergrund" Umgang haben. Das war bei mir jedenfalls nicht der Fall. Ok, ich komme auch aus einer mittelgrossen bis kleineren Stadt im Saarland. Aber der erste Türke, mit dem ich wirklich Kontakt hatte, stiess in der 11ten Klasse zu uns, kam aus der Realschule aufs Gymnasium. Vorher kannte ich keinen einzigen Türken persönlich! Ich war eher in "Kreisen" unterwegs, die gesellschaftlich mittelhoch angesiedelt waren und da gab es bei uns keine Türken. Auch sonst so gut wie keine Ausländer. Das ist eigentlich schade, finde ich heute.
    Mein Eindruck ist jedenfalls, dass sich das heute deutlich mehr vermischt und das finde ich auch gut so. Man muss nur drauf achten, dass man sich gegenseitige die besseren Eigenschaften und nicht die schlechteren weitergibt. ;)

    “Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muß sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.” Albert Einstein

  • Zitat

    Original geschrieben von Jochen
    Man muss nur drauf achten, dass man sich gegenseitige die besseren Eigenschaften und nicht die schlechteren weitergibt. ;)


    :top: :top: :top:

    Cheers,


    mamudo :)

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