[Berlin] Religions-/Ethikunterricht

  • Hallo,


    demnächst steht in Berlin eine Abstimmung hinsichtlich dieser Fächer an.
    Für mich als Atheist stellen sich diverse Fragen:

    • Was hat Religion an Schulen zu suchen
    • Gesetzt den Fall man wäre "gläubig":wäre es nicht sinnvoller, den Unterricht über andere Religionen zu besuchen um den eigenen Horizont zu erweitern. Warum will jede Glaubensrichtung ihren eigenen Unterricht.
    • Bestehen Bedenken, wenn im Ethikunterricht die gemeinsamen Werte aller Menschen unabhängig von ihrem Begläubnis vermitttelt werden sollen, das Fach Ethik entfällt aber bei Besuch einer religiösen Alternative, die ggf. konträre Vorstellungen vermittelt
    • Warum wird das nicht im Geschichtsunterricht behandelt
    • Verstecken sich andere Absichten dahinter, als man vordergründig annehmen sollte


    Es wäre nett von Euch, wenn Ihr mir auf die Sprünge helfen könntet und paar Denkanstöße geben würdet.

  • Re: [Berlin] Religions-/Ethikunterricht


    Zitat

    Original geschrieben von StebuEx
    [*]Was hat Religion an Schulen zu suchen


    Wo sollte man den Schülern deren Eltern der Meinung sind, daß eine Religiöse Erziehung wichtig ist, die Inhalte der jeweiligen Religion sonst vermitteln? In der Kirche selbst werden die Inhalte etc. der Religion nicht unterrichtet, sondern nur der Glaube "zelebriert". Die Teilnahme am Gottesdienst setzt aber voraus, daß der jeweils Anwesende schon weiß, um was es dabei geht. Und dieses Grundwissen wird in der Schule im Religionsunterricht vermittelt.

    Zitat

    [*]Gesetzt den Fall man wäre "gläubig":wäre es nicht sinnvoller, den Unterricht über andere Religionen zu besuchen um den eigenen Horizont zu erweitern. Warum will jede Glaubensrichtung ihren eigenen Unterricht.


    Siehe Oben. Es geht in erster Linie darum, daß Rüstzeug zu vermitteln, daß die Menschen später in der Kirche den dortigen Vorgängen folgen können. In höheren Klassen ist dann aber tatsächlich auch der Blick auf andere Religionen, und deren Inhalte Bestandteil des Religionsunterrichtes.

    Zitat

    [*]Bestehen Bedenken, wenn im Ethikunterricht die gemeinsamen Werte aller Menschen unabhängig von ihrem Begläubnis vermitttelt werden sollen, das Fach Ethik entfällt aber bei Besuch einer religiösen Alternative, die ggf. konträre Vorstellungen vermittelt


    Von meiner Seite aus nicht. Es ist aber schwer zu sagen, was Religiöse Hardliner davon halten.

    Zitat

    [*]Warum wird das nicht im Geschichtsunterricht behandelt


    Nein. Religion ist Glaube, Geschichte ist Wissenschaft. Viele der Geschichten der Bibel oder anderer Religiöser Schriften sind im Geschichtlichen Kontext nicht oder schwer einzuordnen, oder Mythologischen Ursprungs. Sowas hat in einem Wissenschaftlichen Fach wie Geschichte nichts zu suchen. Ähnlich wie Kreationismus nichts mit Biologie zu tun hat, und dort auch nicht gelehrt werden sollte.

    Zitat

    [*]Verstecken sich andere Absichten dahinter, als man vordergründig annehmen sollte


    Welche sollten das sein?

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  • Re: Re: [Berlin] Religions-/Ethikunterricht


    Zitat

    Original geschrieben von Brainstorm
    Wo sollte man den Schülern deren Eltern der Meinung sind, daß eine Religiöse Erziehung wichtig ist, die Inhalte der jeweiligen Religion sonst vermitteln?

    Na, in der Kirche bzw. der Glaubensgemeinschaft selbst! In anderen Ländern, die eine Trennung zwischen Staat und Kirche/Religion haben, funktioniert das doch offensichtlich wunderbar! In USA gibt es die "Sunday School", die Muslime haben in Deutschland, weil sie ja nicht in die staatlichen Schulen zum Religionsunterricht dürfen, nachmittags Koranschule und in zig anderen Ländern wird das auch funktionieren.


    Zitat

    Die Teilnahme am Gottesdienst setzt aber voraus, daß der jeweils Anwesende schon weiß, um was es dabei geht.

    Dies ist jetzt eine kühne Behauptung, oder? :D Böse Zungen vertreten das Gegenteil: die Herde muss gar nicht viel verstehen, sondern nur dem Hirten folgen ;)


    Zitat

    ]Verstecken sich andere Absichten dahinter, als man vordergründig annehmen sollte?

    Naja, wie schon bei dem Fach LER oder wie es genau heißt in den neuen Bundesländern (oder war das nur Brandenburg?) wollen die zwei Kirchen schlichtweg "einen Fuß in die Türe kriegen". Denen passt es nicht, dass sie aus dem Einflussbereich Schule herausgehalten werden und wollen mitreden.


    Andererseits ist es schwierig, einen muslimischen Religionsunterricht einzuführen, weil die Muslime anders als die Christen in Deutschland keine "zentrale Organisation" haben, die die Sache organisiert. Da müsste der Staat hergehen und den Fachbereich Theologie an den Universitäten erweitern - denn die Relilehrer werden ja vom Staat ausgebildet, nicht von der Religionsgemeinschaft. Was übrigens - das sollte man auch mal sagen ;) - dem Staat eine gewisse Kontrollfunktion einräumt, denn religiöse Fanatiker würden ratzfatz von der Uni fliegen, wenn sie auch nur Andeutungen machen, die mit dem Grundgesetz nicht vereinbar sind. Wer übrigens auch den "Religionsunterricht" selbst organisieren muss, weil sie auch keinen Zugang zu den Schulen haben sind die ganzen Freikirchen. Die haben dann unter der Woche und am Wochenende diverse Veranstaltungen, wo die Schafherde in Seminaren usw. auf den gewünschten Kenntnisstand gebracht wird. Ob die Eltern ihre Kinder dann in den evangelischen oder doch lieber in den Ethikunterricht schicken weiß ich natürlich nicht ;) Denn eigentlich passt für die weder der eine noch der andere Unterricht.

  • Zuallererst ist die Abstimmung morgen. Obwohl, ist ja irgendwie "demnächst"...


    Dass bei einem Erfolg des Volksbegehrens der gemeinsame Ethik-Unterricht für alle entfällt, wo wirklich wichtige Fragen (Wie gehe ich mit Anderen um? etc.) angesprochen werden sollen, wird von ProReli nicht gesagt. Die machen Werbung, als wenn der Untergang des Abendlandes ansteht. Wenn sie Erfolg haben, kann jeder religiöse Verein irgendwann seinen Unterricht anbieten, also wahrscheinlich auch die Zeugen Jehovas, Scientology und vielleicht noch seltsamere Institutionen. Ich hasse diesen Trend zur Partialisierung, der irgendwie typisch Deutsch ist ("Kleinstaaterei"). Irgendwann werden wir dann Schulklassen haben, wo 65% "normalen" Biounterricht haben, 25% Kreationistischen und 10% rein religiösen. Bei Deutsch wird es 23% geben, die nur Altdeutsch lernen, weil es die Eltern so wollen, während, einer neuen Mode folgend, im Sportunterricht eine große Pilatesklasse entstanden ist, während es nur eine Minderheit gibt, die Nordic Walking bevorzugen...


    Religion ist Privatsache! Wer meint, dass seine Kinder das lernen sollen, die sollen auch, wie bisher, in den freiwilligen Religionsunterricht gehen. Wertevermittlung dagegen soll für alle gemeinsam sein!

  • Re: Re: Re: [Berlin] Religions-/Ethikunterricht


    Zitat

    Original geschrieben von DUSA
    Na, in der Kirche bzw. der Glaubensgemeinschaft selbst! In anderen Ländern, die eine Trennung zwischen Staat und Kirche/Religion haben, funktioniert das doch offensichtlich wunderbar! In USA gibt es die "Sunday School", die Muslime haben in Deutschland, weil sie ja nicht in die staatlichen Schulen zum Religionsunterricht dürfen, nachmittags Koranschule und in zig anderen Ländern wird das auch funktionieren.


    Wobei ja nun die USA nicht gerade als [URL=http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,295513,00.html]Paradebeispiel[/URL] für die Trennung von Staat und Kirche gelten kann :rolleyes:


    Zitat

    Original geschrieben von DUSA
    Dies ist jetzt eine kühne Behauptung, oder? :D Böse Zungen vertreten das Gegenteil: die Herde muss gar nicht viel verstehen, sondern nur dem Hirten folgen ;)


    Ja, das ist ein Gedanke der mir auch schon gekommen ist ;)


    MfG Kai

  • Zitat

    Original geschrieben von wrywindfall
    Religion ist Privatsache!


    Politik auch. Fragezeichen. Es kann einen auch niemand zwingen, eine politische oder gar eine bestimmte politische Meinung zu haben.
    Man kann Religion oder Transzendentes allgemein aber nicht einfach so abtun, als existierte es nicht. Da wird ein riesiger Bereich, der unser Leben nun einmal auch irgendwie mitbestimmt, einfach komplett aus dem Unterricht heraus gelassen. Wieso?
    Es ist klar, daß Atheisten am liebsten rein überhaupt gar nichts mit Religion zu tun hätten und sehr viele von ihnen - man sieht es auch an diesem Thread, der wieder einmal sehr, sehr einseitig ist und sehr, sehr engstirnige Meinungen wiederspiegelt - Religion generell als Gift, Gefahr, auf jeden Fall aber negativ sehen.
    Ich frage mich, warum. Schliesslich könnte sich beim Empfänger des Unterrichts ja auch die Erkenntnis oder die Überzeugung einstellen, daß das mit Gott alles ganz großer Unfug ist und der Empfänger könnte zum Atheisten aus Überzeugung und nicht aus "Habe noch nie irgendwas mit dem Thema zu tun gehabt." werden.


    Die Physik hat auch schon böse Dinge hervorgebracht. Ohne Physik keine Atombombe. Ohne Chemie praktisch keine Umweltverschmutzung. Ohne Politik keine Kriege.
    Dennoch käme niemand auf die Idee, zu sagen, wir wollten deshalb keinen Chemieunterricht.
    Nur, weil etwas missbraucht werden kann und wird, darf man es doch nicht generell ablehnen!


    Zwar widerspricht ein Zwang generell meiner Auffassung von Religion und Glaube. Dennoch finde ich, sollte man zumindest versuchen, den Heranwachsenden Religion nahe zu bringen. Und daher gehört es durchaus in den Bereich der Schule. Wie das Ganze aussehen soll, darüber kann man diskutieren. Aber ich persönlich hätte eher Angst vor einer Gesellschaft, in der Ethik, Glaube, Religion, Transzendenz etc. keine Rolle spielen und in der auch nichts aktiv dafür getan wird, daß sich ihre Mitglieder damit beschäftigen.

    “Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muß sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.” Albert Einstein

  • So sieht's aus. Diejenigen, die schreien, Religionsunterricht habe an Schulen nichts zu suchen, haben offenbar noch keinen modernen Religionsunterricht erlebt.

  • Ich kann mich noch an meinen Religionsunterricht erinnern. Und in dem wurde jede kritische Frage massiv geblockt bzw. sogar als Störung abgetan.


    Aber wenn man Religion einseitig von einem Pfarrer unterrichten lässt... was will man da erwarten?


    Ich stehe hinter der Meinung, dass die Trennung zwischen Staat und Kirche extrem wichtig ist und Religionsunterricht so an Schulen nichts zu suchen hat.


    Gegen einen Ethik-Unterricht der neutral, d.h. von keinem aktiven Kirchenmitglied (egal welcher Kirche), in dem die Anschauungen der verschiedenen Religionen, ihre Geschichte, Herkunft usw. erklärt werden, hätte ich aber nichts einzuwenden. Neben den Themen muss dann aber auch Platz bleiben für humanistische Vorstellungen, Moral etc.

    Original geschrieben von bernbayer:
    "Eine Kampagne in ZUsammenhang mit Guttenberg kann man der Bild-Zeitung nicht vorwerfen."

  • Religion hat in Schulen nichts zu suchen, da es sich bei Glauben um eine reine Privatsache handelt.


    Der Staat in Deutschland ja ja leider nie die Trennung von der Kirche vollkommen vollzogen, sondern läßt sich munter in Bildung, Fernsehen etc reinreden und sponsort die Kirchen noch kräftig mit Steuergeldern.


    Und da keine Religion das Vorhandensein eines oder mehrerer Götter beweisen kann, haben spekulative Inhalte an den Schulen einfach nichts zu suchen-


    Selbst Ethik auf Grundlage der geschichtsverfälschenden Werke wie Bibel oder Koran etc. gehört nicht an Schulen.


    Vielmehr müßte durchgehend das Fach Philosphie unterrichtet werden, in dem auch die eigentlichen Inhalte der Religionen als eine von vielen philosophischen Ansätzen vorgestellt werden können.
    Den mehr oder wenige als eine Philosophie, Ideologie etc, sind die Grundlagen einer Reliogion nämlich nicht.
    Alles weitergehende ist Machtstreben, organisiertes und zensiertes Denken, Geschichtsfälschung etc- oder eben Kirche/Sekte.

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    Ericsson T39m
    Legends never Die!
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  • @JoPi: Du verstehst mich nicht ganz! Ich habe ja nichts gegen Religionsunterricht, sondern nur etwas dagegen, dass ein gemeinsamer Unterricht, wo über Werte diskutiert wird (im Ethikunterricht wird nicht pure Wissensvermittlung gemacht, sondern sich Werte erarbeitet!), einfach gegen Religionsunterricht getauscht werden kann.


    Der Ethikunterricht soll bleiben und wer Religion "lernen" will, kann dies gerne zusätzlich tun. Deswegen habe ich auch mit nein gestimmt (Briefwahl sei dank).

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