Bundestagswahl 2013

  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Mit der Einführung eines Mindestlohns für einfachste Arbeiten würde sich das gesamte Lohngefüge im unteren Bereich bewegen müssen. :top:


    Ich bin ehrlich gespannt drauf, wie sich das entwickelt.


    Auch die Unternehmen werden reagieren. Ob das dann immer sinnvoll endet wird man sehen.
    Ich kann Dir nur sagen, dass wir die dann erforderliche Erhöhung von 1€/h Brutto, die der Dienstleister in seiner Kalkulation berücksichtigen wird, nicht voll bezahlen werden.


    Entweder geht es zu Lasten des Dienstleister oder wir kürzen die Anzahl Reiniger, die dann die gleiche Leistung mit weniger Leuten erbringen müssen.
    Harte aber wahre Realität, da wir leider in einem umkämpften Markt unsere Preise nicht erhöhen können.


    So einfach wie manche Linke sich das vorstellen, ist das Thema nicht. Aber woher soll man das auch wissen mit Studienfächern wie Slawistik, Theaterwissenschaften, Sozialpädagoge, Germanistik etc.
    Faktenbasierte Studiengänge sind bei diesen Leuten halt nicht sehr verbreitet. ;)


    Die Wirtschaft ist allenfalls in Form einer Kneipe bekannt. :D

    Beste Grüße
    W.

  • Ein Mindestlohn führt immer zu einen gewissen Arbeitsplatzabbau, da die höheren Lohnkosten eben nicht immer über höhere Preise weitergegeben werden können. Selbst wenn sie zunächst weitergegeben werden, kann das in bestimmten Branchen längerfristig durch Umsatzeinbußen zu Personal-Reduzierungen kommen. Man muß auch davon ausgehen, daß die Schwarzarbeit zunimmt. Wenn z.B. dadurch der Haarschniit 3 Euro teuerer wird, dann läßt sich halt so mancher den Haarschnitt schwarz bei einen Bekannten machen. Wir leben ja im Zeitalter von "Geiz ist geil" Jeder will selbstverständlich einen guten Lohn, als Konsument wird aber um jeden Euro gefeilscht. So sind wir Deutschen nun mal.

    Oberfranken ist meine Heimatliebe, die mir am Herzen liegt Bernhard

  • Ob und wie viele Jobs bei einem Mindestlohn über die Klinge springen darüber streiten sich die vermeintlichen Experten ja schon lange. Einig ist man sich im Wesentlich eigentlich nur darüber, dass es eben keinen Sinn macht pauschal einen deutschlandweiten Mindestlohn vorzuschreiben ohne dabei regionale und strukturelle Unterschiede zu berücksichtigen.


    Fakt ist aber auch - und das wird in dieser ganzen Diskussion gern vergessen: Das ganze Geschrei um die armen "Aufstocker" die ganz dringend einen Mindestlohn bräuchten geht am Ziel vollkommen vorbei. Ein Großteil der Aufstocker (> 80%) arbeitet Teilzeit, stunden oder tageweise.
    Denen ist auch mit einem Mindestlohn nicht geholfen, sie werden weiterhin Transferleistungen beziehen müssen.


    Von denen die Vollzeit arbeiten und aufstocken müssen haben 75% dann noch eine Familie zu versorgen, auch hier hilft der Mindestlohn - egal ob jetzt 7,- 8,- oder 9 ,-€ - nicht um diese Personen aus den Transferleistungen raus zu bekommen. Im Endeffekt haben wir also gerade mal knapp 70.000 Personen (von ca. 1,4 Millionen) bei denen am Ende ein Mindestlohn dazu führen könnte dass sie nicht länger aufstocken müssen. Wie viele dann wirklich hiervon profitieren...???
    Und dabei ist noch nicht mal gegengerechnet wie viele Jobs dann wegfallen und damit dann der Aufstocker zum 100% Empfänger wird.


    Wenn man wirklich was für die Aufstocker tun wollte bräuchten man vor allem:
    a] mehr Arbeit, d.h. mehr Vollzeitstellen und
    b] einen Mindestlohn irgendwo jenseits von 16-18 € die Stunde


    Bei so einem "zwangsweise" verordnetem Gehaltsgefüge muss man sich dann aber keine Gedanken mehr über den "Niedriglohnsektor" machen - das hier dann etliche Jobs über die Klinge springen (um damit neue Transferleistungsbezieher zu produzieren) das haben selbst die Damen und Herren von der Linken verstanden.


    Insofern: Schluss mit Stundenlöhnen von 3-5 ,- €? Ja keine Frage, aber bitte nicht so tun als würde sich durch einen Mindestlohn von 7 oder 8 € das generelle Problem damit dann in Luft auflösen.

  • Zitat

    Original geschrieben von ChickenHawk
    b] einen Mindestlohn irgendwo jenseits von 16-18 € die Stunde


    Hmm, ich bekam lange zeit nur ~10-11€ und konnte damit alleine vernünftig leben.
    Natürlich waren keine grossen Sprünge drin, aber das ist auch nicht der Sinn und Zweck von Mindestlohn.

  • Zitat

    Original geschrieben von murmelchen
    Hmm, ich bekam lange zeit nur ~10-11€ und konnte damit alleine vernünftig leben.

    Ich kann sogar bei 8,50€ sehr vernünftig leben. Das sind immerhin deutlich über 1.000 EUR netto im Monat! Mehr brauche ich persönlich zum gut leben auch gar nicht, sogar weniger. Ja, ich habe deutlich mehr, brauche ich aber nicht zwingend. Alles darüber geht aufs Sparkonto und ist "Luxus", den man halt hat oder nicht hat.

  • Diese ganze Pseudodiskussion ermüdet schon sehr. Wer auch nur einen Funken Verständnis für marktwirtschaftliche Prozesse hat, weiß, dass sich der Markt nicht so aushebeln lässt. So etwas wie "free lunch" oder "am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen" gibt es nicht.


    Und was passiert ist doch sowieso klar. Wenn in bestimmten Branchen tatsächlich substanziell Personal abgebaut wird, dann wird ein spezieller "Förderbeitrag für einfache Lohngruppen in strukturschwachen Gebieten" ins Leben gerufen.
    Auf Deutsch: was die Aufstocker vor dem Mindestlohn sich vom Arbeitsamt holten, wird dann dem Arbeitgeber überwiesen, der dann seine interne Kalkulation wieder senkt.


    Das ist so, als ob die Politiker auf einen riesigen Sack mit Wasser einprügeln würden: die Stoßwelle schwingt sich bis zur anderen Seite durch, und haut da Leute aus den Latschen, die eigentlich nix dafür können. Um diesen Stoß auf der anderen Seite wieder zu beheben, haut man da auch auf den Sack... und so geht´s weiter.


    Anstatt den Sack mal in Ruhe zu lassen, damit der sich ausschwingt...

    Xperia Z3c - Lumia 950 XL

  • Zitat

    Original geschrieben von ChickenHawk
    Fakt ist aber auch - und das wird in dieser ganzen Diskussion gern vergessen: Das ganze Geschrei um die armen "Aufstocker" die ganz dringend einen Mindestlohn bräuchten geht am Ziel vollkommen vorbei. Ein Großteil der Aufstocker (> 80%) arbeitet Teilzeit, stunden oder tageweise.
    Denen ist auch mit einem Mindestlohn nicht geholfen, sie werden weiterhin Transferleistungen beziehen müssen.


    Genau so ist es.
    Und ich behaupte mal provokant, dass die meisten auch nicht Vollzeit arbeiten wollen, da es sich nicht lohnt!
    Auch mit 8,50€ nicht, da der Mindestlohn in Deutschland Hartz IV heisst.

    Beste Grüße
    W.

  • Zitat

    Original geschrieben von mws55
    Ich kann sogar bei 8,50€ sehr vernünftig leben.


    Du vielleicht schon, aber versuch mal mit 1000€ im Monat eine 4 oder 5 köpfige Familie ordentlich durchzubringen.


    Selbst wenn man günstig wohnt sind 400€ für die Miete und noch mal 200-250 € für Strom und Heizung weg, dann noch 30 € für Internet und Telefon ggf. GEZ etc. pp.


    Da blieben (Kindergeld mal außen vor) vielleicht noch 200€ um 5 Personen einen Monct lang zu ernähren.
    Ausgaben für Kippen, Auto, Benzin und Steuer, Klamotten und Schulbedarf alles noch exklusive.


    Damit kann man vielleicht gerade so überleben, vernünftig sieht aber anders aus.
    Deswegen reichen effektiv auch 10-11€ nicht, wer Vollzeit arbeitet braucht ca. 2.500 € für eine Familie und damit eben min. 15€ pro Stunde.

  • Zitat

    Original geschrieben von ChickenHawk
    Du vielleicht schon, aber versuch mal mit 1000€ im Monat eine 4 oder 5 köpfige Familie ordentlich durchzubringen.

    Wieso sollte ich das versuchen, wenn ich dann netto mindestens 1.176€ habe und noch eine ganze Latte durch Kindergeld und Co. herein kommt und somit minimum 1.734€ netto da sind? :confused:


    Netter Versuch.

  • Zitat

    Original geschrieben von mws55
    Ich kann sogar bei 8,50€ sehr vernünftig leben. Das sind immerhin deutlich über 1.000 EUR netto im Monat! Mehr brauche ich persönlich zum gut leben auch gar nicht, sogar weniger. Ja, ich habe deutlich mehr, brauche ich aber nicht zwingend. Alles darüber geht aufs Sparkonto und ist "Luxus", den man halt hat oder nicht hat.


    Afaik waeren das etwa 1.250€ brutto und somit 940€ netto.


    Wenn man von den 940€ jetzt mal so pauschaul 150€ fuer Fahrtkosten und Arbeitsverpflegung abzieht, landet man bei 790€.


    Und das ist dann etwa das was ein Arbeitloser bei Hartz4 bekommt. Es sichert schon das absolute Existenzminimum, aber eben nicht mehr.


    Ich finde wenigstens so 200€-300€ "Taschengeld" muessten nach Abzug des Existenzminimuns und Fahrtkosten und Arbeitsverpflegung schon bleiben.

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