Nokia verkauft Smartphone-Geschäft an Microsoft

  • Zitat

    Original geschrieben von derAL
    Und weshalb es als Tragödie betrachtet wird, wenn 32 Tsd. Leute bzw. eine ganze Sparte zukünftig unter anderer Flagge (dafür aber mit viel Geld) weiter an mobilen Endgeräten und Lösungen arbeiten, kann ich nicht nachvollziehen.

    Warten wir mal ab, wieviele von 32k Mitarbeitern nach der "Integration" noch uebrig sind. Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass Microsoft langfristig Featurephones herstellen wird?


    Wenn man sich fuer eine Sekunde Google + Motorola zuwendet, kann man schon mal einen Blick auf die Zukunft erhaschen. Stand Maerz 2013:

    Zitat

    Google Inc.'s Motorola Mobility hardware unit has begun laying off about 1,200 employees, or more than 10% of its headcount [...] The new cuts come on top of a 20% reduction of Motorola's workforce that started last August, when it said it would lay off 4,000 employees.


    Wenn man dann noch bedenkt, dass Google fuer Motorola (und die deutlich geringere Mitarbeiterzahl) 12,5 Mrd US$ gezahlt hat, so hat Microsoft mit den 32.000 Koepfen fuer 7,2 Mrd US$ ein echtes Schnaeppchen gemacht ;)

  • Merlin: Es gibt kein 'eigentliches' Unternehmen. Ein Unternehmen besteht aus der Summe seine Einzelbestandteile. Wird ein Bestandteil verkauft, dann besteht das Unternehmen aus der Summe der anderen Bestandteile. Demnach existiert es noch. Ohne dem verkauften Teil sogar in hervorragender und finanziell sehr gut ausgestatteter Verfassung. Und wenn ein Unternehmen Verluste fährt und danach über eine solche Finanzausstattung verfügt, dann nennt man das nun mal eine erfolgreiche Sanierung. Und das ist ein ökonomischer Fakt.


    Alles andere entstammt eher einem Wunschdenken, einer Enttäuschung oder was auch immer. Viele, die wegen diesen Mergers nach wie vor Wut im Bauch verspüren, tun sich schwer damit, die Dinge rational zu betrachten. Dafür kann ich ja noch Verständnis aufbringen. Rational und objektiv betrachtet ist Nokia jedoch durch diesen Merger saniert. Dem Unternehmen stehen etliche Optionen für die Zukunft zur Verfügung, die sich -ich sage es nochmal- weiterhin im mobilen Spektrum bewegen werden. Und eine Rückkehr ins Mobilfunkendgerätegeschäft hat Nokia ausdrücklich im ZUge des Mergers mit Microsoft ausverhandelt. Zwar sind in den nächsten zwei Jahren dort keine AKtivitäten zu erwarten, danach kann das Unternehmen jedoch jederzeit auf diese Option zurückgreifen.


    harlekyn: Es bleiben natürlich die übrig, die für Microsoft's Mobilfunkstrategie einen Mehrwert bieten. Aber das sollte doch auch klar sein. Wir bewegen uns hier in der Wirtschaft. Und wer mit auf die Schiffsreise gehen möchte, muss halt eben rudern können.

  • Zitat

    Original geschrieben von derAL
    Es bleiben natürlich die übrig, die für Microsoft's Mobilfunkstrategie einen Mehrwert bieten. Aber das sollte doch auch klar sein. Wir bewegen uns hier in der Wirtschaft. Und wer mit auf die Schiffsreise gehen möchte, muss halt eben rudern können.

    Da ist sie wieder, die Investorensicht ;)


    Dann wirst du vielleicht nachvollziehen koennen, dass es fuer einen Teil der Mitarbeiter durchaus zu einer Tragoedie werden wird - die du grade eben noch so euphorisch abgewiegelt hast. Wenn's dann soweit ist wird's dafuer sicher auch wieder eine positiv klingende Umschreibung geben, immerhin kommt das Boot mit dem geringeren Ballast an Bord nun schneller voran.


    Zum Rest: Nokia als Unternehmen besteht weiter. Die Mobilfunk-Strategie ist allerdings gescheitert und in einem Verkauf der betroffenen Geschaeftsbereiche gemuendet. Mit dem Fazit sollten sich alle arrangieren koennen. Fuer die einen waren diese Kernbereiche eben "Nokia", fuer die anderen zaehlt das was auf dem Papier steht.

  • Zitat

    Original geschrieben von derAL
      Merlin: Es gibt kein 'eigentliches' Unternehmen. Ein Unternehmen besteht aus der Summe seine Einzelbestandteile.


    Siehst du, das ist der große Unterschied zwischen uns. Ich sehe eine Seele, einen Geist, Herzblut und persönliches Engagement, was ein Unternehmen ausmacht, du siehst seelenlose Zahlen und summierst alles zusammen. Ich nicht.


    Leider sehen es praktisch alle "Finanztypen" so wie du. Daher geht diese Welt zugrunde. Es gibt keine Ehre und keine persönliche Verantwortung mehr. Nicht für ein Unternehmensziel, nicht für die Mitarbeiter. Da wird gejubelt, wenn es eine Firma nicht mehr gibt. Das ist pervers.

  • "Summe seine(r) Einzelbestandteile." Dazu gehören auch die Mitarbeiter.


    Merlin, Nokia hat im Verlauf seiner Unternehmensgeschichte verschiedene Dinge produziert. Jetzt wird wieder ein neues Fass aufgemacht.


    Es stimmt aber, die Idee (ein gutes Produkt) zählt bei Unternehmen nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Danach heisst es, irgendwas zu produzieren, weil es Geld bringt.

    Viele Grüße,
    Wolfgang
    Seit zehn Jahren wollte ich schon sterben, aber ich war zu gesund! [F.Sch.]
    * Europas Hightech-Industrie wird irrelevant *

  • Zitat

    Original geschrieben von Merlin
    Das ist pervers.



    Vollste Zustimmung :top: :top: :top:

    Aber das sind die Auswüchse unseres hochgelobten Wirtschaftssystems. AL kann da nichts dazu. Er für seinen Teil macht im Getriebe seine Arbeit wie wir alle anderen auch. Und die, das werden auch timba und harlekyn bestätigen, macht er sehr gut. (ich weiss noch wie mich mein Bankmensch ausdrücklich davor gewarnt hat Nokiaaktien zu kaufen)
    Ob das nun hohen moralischen Ansprüchen genügt, steht auf anderen Papier.

    testi
    Wieso ? (hast die Ironie verstanden :D ) , bin nur mal gespannt wann MS das merkt

  • Der moralische Anspruch entspringt doch einer Doppelmoral:


    - es wird sich beklagt, dass es in Europa fast kein eigenständiges Technologieunternehmen mehr gibt
    - es wird wegen der Mitarbeiter aufgeheult, die im Zuge der Globalisierung und des dynamischen Wettbewerbs sich neu- oder umorientieren müssen
    - es werden Missstände auf der Arbeitnehmerseite beklagt
    - dämliche Mindestlohnforderungen gestellt
    - unternehmerische Entscheidungen als böse oder unsozial abgestempelt (Bochum bei Nokia etwa)


    Und die, welche am meisten bei solchen Sachverhalten aufheulen, kaufen sich Geräte, welche Arbeiter in schlimmsten Arbeitsverhältnissen zusammenschrauben (z. B. Foxconn) oder kaufen sich Schnäppchen- oder Designer-Klamotten (mit denen dann angegeben wird), die in einem zwielichtigen Hinterhof von Bangladesh von xy zusammengenäht werden. Bei der Nahrungsmittelproduktion ist es genau so. Und wenn es einmal im Jahr darüber in Monitor oder Frontal einen Sendebeitrag gibt, kommt es wieder aus der Versenkung empor; das Aufgeheule der Moralität. Am nächsten Tag werden diese Produkte genauso wieder konsumiert, als hätte es diese Informationen gar nicht gegeben. Ok, am Weihnachten, am Höhepunkt der Erden-Sentimentalität, werden dann 10 EUR an Herzen für Menschen oder was auch immer gespendet, auch wenn unter dem Weihnachtsbaum wieder derartige Produkte liegen werden. Eine Doppelmoral sondersgleichen.


    Ich könnte die Frage aufwerfen, weshalb diejenigen, welche die aktuelle Situation bei Nokia beklagen, nicht Geräte aus Finland gekauft haben, sondern lieber Foxconn-Geräten den Vortritt gaben?


    Nokia produzierte zuletzt auch dort, könnte man nun entgegenhalten. Aber warum 'auch'? Weil der Wettbewerb dadurch Kostenvorteile/Wettbewerbsvorteile ggü. Nokia generierte und Nokia unter Druck brachte, so dass das Unternehmen gleichziehen musste. Letztlich verhalten sich alle Unternehmen mehr oder weniger nicht im Sinne dieses höheren Moralanspruchs (Stichwort Abbau Seltene Erden, Mineralabbau für die Geräte). Einige besonders dreist nicht.


    Was ist also nun pervers? Die Wirtschaft oder diejenigen die solche Dinge provozieren (indem sie daran beteiligt sind, die Nachfrage nach solchen Produkten zu erhöhen/zu mehren)? Die Wirtschaft besteht aus Individuen und somit aus uns allen. Wir sind Teil der Wirtschaft und handeln alle aus Eigeninteressen heraus. Das ist die bittere Wahrheit. Wenn der Moralanspruch gelebt werden würde, dürftet Ihr kein einziges Gerät made in Asien (oder assembled in China) kaufen. Denn wie pervers ist denn das?


    Die Wahrheit ist: Die Investorensicht oder die Auswüchse des Wirtschaftsystems beginnen bei jedem einzelnen Teilnehmer des Systems; bei uns direkt vor Ort bei uns selbst. That's it. Lyrics von den Black Crowes (Evil Eye):


    Look at the world with an evil eye;
    your cold heart won't let you cry;
    try to make a change in the wink of an eye.
    Do you have it in you to even try?


    Jesus can't save you,
    though it's nice to think he'd try.
    This is not to scare you;
    this is to make sense of our time.
    Do prophets speak in rhymes?
    (Then you die!)



    Ex-Nokia: Danke für die Blumen ;)

  • Ja wenn alle so wären, wie wir sein müssten ... :)


    Zitat

    Ok, am Weihnachten, am Höhepunkt der Erden-Sentimentalität, werden dann 10 EUR an Herzen für Menschen oder was auch immer gespendet,



    Auch schön.
    Am besten gleich rein mit dem Schotter in den Klingelbeutel. In Limburg sieht man wenigstens wofür.

    ... du hast völlig Recht AL mit der Scheinheiligkeit, pervers ist es aber trotzdem - auch wenn wir alle mitmachen

  • Zitat

    Original geschrieben von derAL
    Und die, welche am meisten bei solchen Sachverhalten aufheulen, kaufen sich Geräte, welche Arbeiter in schlimmsten Arbeitsverhältnissen zusammenschrauben (z. B. Foxconn)
    ...


    Ich könnte die Frage aufwerfen, weshalb diejenigen, welche die aktuelle Situation bei Nokia beklagen, nicht Geräte aus Finland gekauft haben, sondern lieber Foxconn-Geräten den Vortritt gaben?


    http://www.handelsblatt.com/un…nn-schwer-zu/7061886.html


    Nicht nur "auch" und nicht erst "zuletzt" ... und dass Foxconn eigentlich auch Nokia ist, unterschlägst du ;):


    http://www.areamobile.de/news/…-nokia-tochter-produziert


    ...


    Nein, natürlich nicht :p


    Aber für einen kurzen Moment ging der Zweifel durch die Reihen, oder? :D :p
    ...


    Aber das alles hat ja recht wenig damit zu tun, dass die "Investoren" auf dem Grab von Nokia eine Party feiern, weil der Börsenkurs gestiegen ist, obwohl es Nokia, so wie wir es kennen, nicht mehr gibt, bzw. in Kürze nicht mehr geben wird.


    Und es hat auch nichts damit zu tun, dass viele "Top-Manager" nur ein Ziel haben, nämlich das Unternehmen so schnell wie möglich gegen die Wand zu fahren, damit sie einen Bonus bekommen, weil sie die Ausschüttung an die Shareholder erhöht haben. Dass damit gleichzeitig der Personalstand auf Null sinkt und das Unternehmen an sich nicht mehr existiert, ist dabei nicht von Belang. Die Produkte dabei *kundengerecht* weiterzuentwickeln steht nicht auf der Agenda. Jüngstes Beispiel RIM. Da wurde bereits seit Jahren gemauert und jetzt, wo mit BB10, ein konkurrenzfähiges System da ist, wird zugesperrt.

  • Zitat

    Original geschrieben von derAL
    ... , sondern lieber Foxconn-Geräten den Vortritt gaben?


    Nokia produzierte zuletzt auch dort, könnte man nun entgegenhalten. Aber warum ...


    Zitat

    Original geschrieben von Merlin
    ... und dass Foxconn eigentlich auch Nokia ist, unterschlägst du ;)


    Erster Artikel, letzter Satz:


    'Aktualisierung: Diese Nachricht ist natürlich ein Aprilscherz.' :D



    Zweiter Artikel:


    'Die Krise seines Hauptkunden Nokia setzt dem weltgrößten Handy-Auftragsfertiger Foxconn International (Tochter) ...'
    '... Das Unternehmen durchlebt eine gegenläufige Entwicklung zum taiwanischen (Mutter)konzern Foxconn Technology, der unter anderem die iPhones und iPads von Apple montiert ...'



    Wo unterschlage ich das denn nun? :p



    P.S.: zu Foxconn: Link

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