Streik im Osten - Schaufeln am eigenen Grab?

  • @ Chevi : Wer tatsächlich und ausgerechnet die Blödzeitung zitiert, hat wohl (noch?) nicht verstanden, wie Politik läuft ! Zitat:"Gestern war dazu ein interessanter Artikel in der Bild."
    Wessen Suppe die Bildzeitung kocht, dürfte wohl langsam jedem halbwegs Politik interessiertem klar sein. Eben gerade nicht die, des "kleinen Mannes". Hinter dem Springer Verlag stand und steht immer noch das nackte Interesse des Großkapitals, auch wenn sie sich noch so volkstümlich gibt !


    Gerade weil die Medien langsam immer mehr gleich geschaltet werden u. dazu ein großer Teil der ohnehin "einfach gestrickten" Bevölkerung ihre letztes Gramm Hirn z.b. in Nachmittags-Talkshows verballert bekommen. Ist es jetzt allzu modern auf die "Plage" Gewerkschaft einzudreschen.
    Dabei vergessen aber viele, dass sie gerade diesen Gewerkschaften einen großen Teil ihres Wohlstandes u. soziale Errungenschaften verdanken können.
    Oder glaubt ihr allen ernstes, dass irgendein Arbeitgeber, freiwillig, z.b. die paritätische Krankenversichrung eingeführt hätte ? Ich könnte noch mehr Beispiele anführen, bei denen gerade Gewerkchaften dafür gesorgt haben, dass gewisse Lasten, eben auf alle (!) Schultern verteilt werden.
    allerdings war zu diesem Zeitpunkt auch noch im großen Maße ein Zusammenhalts-Gefühl unter der Bevölkerung. Nicht jeder dachte ausschließlich an sich, sondern auch an das Große ganze.
    Jetzt herrschen wohl leider andere Maßstäbe, zwischenzeitlich macht sich sogar die Mentalität breit, dass man z.B. chronisch Kranke für ihren Zustand selbst verantwortlich macht. Und demgemäß auch nicht bereit ist, deren "Unzulänglichkeite" mit zu finanzieren. Wo sind wir nur moralisch "gelandet" ? Es herrscht nur noch das Gesetz des Dschungels, fressen u. gefressen werden. Das kann doch wohl nicht sein, u. eine estrebenswerte gesellschaftliche Perspektive sein ??


    Für meinen Teil finde ich dieses zunehmende egozentrische Gelabere zum Kotzen. Keiner denkt noch an jemand anderen, als sich selbst, beschwert sich dann aber später lauthals, wenn er selbst Opfer (viell. durch Unfall od. Krankheit) dieser dann menschenverachtenden Maschinerie wird.


    Es gibt eben immer mehr ein Loyalitäts-Problem und genau da sind wir im Osten angekommen. Es ist doch schon bemerkenswert, dass ausgerechnet im vermeintlich "sozialistischen" Osten, nunmehr der geringste Zusammenhalt herrscht u. sich die Arbeitnehmer gerne zu Marionetten des Kapitals mißbrauchen lassen ! All das ist aber eben kurz gedacht, sollte bald tatsächlich der Tag erreicht sein (Dank der zunehmenden Volksverdummung), an dem auch der letzte wirklich glaubt, mit der Beseitigung der vermeintlichen Macht der Gewerkschaft wären unsere Probleme beseitigt, wird auch so mancher hier, ein bitteres Erwachen erleben !!
    Dann heißt es eben "freies Spiel der Kräfte" und was dass letztendlich bedeutet, kann man gerade in der ach so freien u. modernen USA erleben.


    Also Leute, schwimmt nicht immer gleich mit dem Strom sondern schaltet auch einmal das Hirn ein. Wem nutzt (auch) diese Kampagne, wer forciert u. unterstützt zunehmend die Entsozialisierung unserer Gesellschaft ?
    Denkt auch einmal daran, dass auch ihr irgendwann eben nicht mehr jung u. leistungsfähig sein werdet u. Geld eben nur einml ausgegeben werden kann. Also, das z.B. der Sportwagen in der Jugend, später den fehlenden Zahnersatz im Alter nicht ausgleicht.


    Klar gibt und gab es auch Auswüchse auf Gewerkschafts-Seite, aber dass ist eben ein grundsätzlich menschliches Problem.


    Aber eines sollte doch jeder halbwegs intelligente Mensch nicht wollen: eine gewerkschaftsfreies Deutschland !!


    Dazu fiele mir nur eines ein : "Nur das dümmste Kalb, wählt selbst den eigenen Metzger !" ;)


    P.S. Auch wenn es so scheinen sollte, bin selbst kein Gewerkschafts-Funktionär. Allerdings eben auch kein blöckendes Herdentier ... :D

    Ich bin zu allem fähig, aber zu nichts zu gebrauchen!

  • das fehlte gerade noch



    ... und gerade wegen Leuten wie Dir und ihren offensichtlich unsozialen u. herrischen Einstellungen, bin ich dankbar, dass es Gewerkschaften gibt ! :mad:

    Ich bin zu allem fähig, aber zu nichts zu gebrauchen!

  • Zitat

    Original geschrieben von dr zuzelbach


    (...)


    P.S. Auch wenn es so scheinen sollte, bin selbst kein Gewerkschafts-Funktionär. Allerdings eben auch kein blöckendes Herdentier ... :D


    Das wundert mich nun schon, Dein Text klingt genauso, als ob Du sehr eng mit dem Gewerkschaftsklüngel verbunden wärst.


    Allerdings stimme ich Dir zu, dass die Gewerkschaften viele (durchaus bedeutsame) Dinge errungen haben, und dass Gewerkschaften auch nach wie vor ihre Bedeutung haben (könnten).


    Aber: wenn sie weiterhin so dermaßen katatstophale und jedes wirtschaftliche Quäntchen Ahnung mit Füßen tretende Auffassungen vertreten, dann würde ich es durchaus vorziehen, in einem Deutschland ohne Gewerkschaften zu leben. Dass die Betriebsräte näher an der Basis stehen ist ja kein Geheimnis, vieles können diese sicherlich besser lösen als die großen starren Dinosaurier.


    Und was die Bild angeht: den letzten intellektuellen Feinschliff bekommt man durch die Lektüre dieses papierförmigen Hauptfeindes aller Sozis bestimmt nicht, aber wenn man sich die Beteilgungen der SPD an Verlagen anschaut, dann wird die kritische Nennung der CDU-nahen schnell zum Schuss nach hinten. Allein die direkten Beteilgungen der http://www.ddvg.de/ sollten einen bzgl. Unabhängigkeit der Medien stutzig machen, wenn man die indirekten, nirgendwo dokumentierten mit einbezieht, sieht man erst, was da für ein Strippenziehen im Hintergrund abläuft. [klick]

  • Leute, ihr müsst es aber auch mal anders sehen. Ohne diese Gewerkschaften hättet ihr wesentlich unattraktivere Arbeitszeiten und eine schlechtere Bezahlung.
    I


    Einige die hier gegen die Gewerkschaften hetzen, haben es wegen ihrer Position entweder nicht nötig, oder wissen nicht wovon sie reden. Ich denke der erste Punkt trifft hier eher zu.

  • Ich denke, die "Wahrheit" liegt wie so oft dazwischen...


    Ich möchte auch kein Gewerkschafts-freies Deutschland. Um zu sehen, wohin das führen würde, brauchen wir nicht mal nach Amerika zu schauen - die lokalen McDonalds-Filialen oder Ärzte (schaut euch mal die Tarife von Arzthelferinnen an...), die sich mit einigen Tricks um Betriebsrat und Gewerkschaft drücken, reichen z.B. dazu...


    Andererseits sollten die Gewerkschaften aber auch darauf achten, dass sie ihre Mitgliedern nicht potentiell arbeitslos machen (wie jetzt eben bei den auch meiner Meinung nach unsinnigen Streiks für die 35-Stunden-Woche) und/oder der "Rest-Bevölkerung" schaden (z.B. indem mal wieder sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel einer Großstadt lahm liegen, und alle Leute, die darauf angewiesen sind, Probleme kriegen...).


    Sicher ist auch vieles nur Gejammere der Firmen, um eben die Arbeiter möglichst billig zu kriegen. Aber die hier betroffenen Arbeiter bekommen doch nun wirklich einen passablen Lohn für eine akzeptable Arbeitszeit. Und 2-3 Jobs mehr pro Firma (sofern das wirklich finanziell und von der Auftragslage her machbar ist) dürften bei den dortigen Arbeitslosenzahlen das Kraut wohl auch kaum fett machen...


    btw: Dr. Z, hast du das Interview mit Michael Moore auf der Bowling For Columbine-DVD gesehen? Ein paar Aussagen von dir habe gewaltige Ähnlichkeit mit seinen... Kann natürlich auch nur Zufall sein...

  • Mort, den Film habe ich (noch) nicht gesehen, hörte aber, dass er durchaus Klasse haben soll. Schon die Tatsache, das der Reg. anläßlich der Oskar-Verleihung ausgebuht wurde, macht ihn mir symphatisch :top:




    Nochmal zur Klarstellung, ich bin kein Gewerkschafter oder gar Anhänger der ehemaligen DDR u. ihrer Staatsform (wg. pers. Mails diesbezügl.)


    Allerdings bin ich auch nicht so blauäugig wie mancher hier, der offensichtlich meint, das er echtes "Manager-Blut" in sich trägt u. ihn sein berufliches Engagement* auf kurz od. lang sicher in die Führungsetage bringt. Letztendlich predigt er hier nur den nackten Egoismus* und läßt sich damit vor den Karren "gewisser Kräfte" spannen. Das Ende wird desillusionierend, keine Freunde, verhasst u. viell. noch verarmt .


    Im übrigen, man verhält sich nicht nur asozial, wenn man nachts krakehlend durch die Gassen läuft, sondern auch dann, wenn man sich unsolidarisch zeigt, gerade dann, wenn Solidarität gefordert wäre.
    In diesem Sinne, sind wir auf dem Weg zu einer asozialen Gesellschaft. Asoziales Gedankengut wird zunehmend gesellschaftsfähig. Anstatt, z.B. Steuerhinterzieher anzuprangern, gönnt man der mittellosen Trümmerfrau ihre Rente nicht mehr. Und so weiter und so weiter ...
    Dazu passt, dass nun genau die Partei, die stolz "sozial" in ihrem Namen trägt, nun zum Fürsprecher dieser verrohten Gesellschaftsform wird !
    Mir wird es Angst und bange .. !! :flop:

    Ich bin zu allem fähig, aber zu nichts zu gebrauchen!

  • Hmm... nach kurzem Nachdenken bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich nach des Docs Definition im höchsten Maße asozial bin und desillusioniert, ohne Freunde, verhasst und verarmt enden werde.


    Ebenfalls bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass mich das irgendwie nicht so recht juckt. Wahrscheinlich reicht mein letztes Gramm Hirn nicht aus, um mir der Tragweite von Dr. Z's Worten so recht bewußt zu werden... :D

    Ist das eine von den Kirchen, wo man so kleine Cracker kriegt? Ich habe Hunger!

  • Zitat

    Gewerkschafter sind in meinen Augen Blutsauger!!!!


    Auch in meinen Augen. Was die in der jetztigen Wirtschaftlichen Lage fordern ist wirklich "Hohl".


    MFG CHris

    Life is too short to be small.

  • in der heutigen globalisierten wirtschaft sind forderungen der gewerkschaften nunmal sehr leicht durch eine geänderte standortpolitik durch die unternehmen zu umgehen. dies mag auf den ersten blick sehr asozial wirken, doch ist es global gesehen wünschenswert, dass auch mal die "kleinen" einen vorteil haben.
    im mai 2004 wird die eu erweitert, wir werden sehr schnell zu spüren bekommen, auf wie großem fuß wir noch immer leben und die heutige wirtschaftliche situation ist noch lange nicht das ende des tunnels!
    erst wenn wirklich tiefgreifende reformen kommen, die politiker nicht nur an die wiederwahl denken und es jedem von uns wirklich schlecht geht, wird deutschland vielleicht wieder zu alter stärke finden...
    doch wie schaut es aus... ein reförmchen von der regierung hier, eines dort und dazwischen noch die gerwerkschaften mit ihren "realistischen" forderungen. da muss man leider feststellen: "pisa ist im parlament angekommen!"
    gewerkschaften können solche forderungen doch nur stellen, wenn in diesem land die firmen standortgebunden sind, die nachbarländer keine alternative darstellen oder ebenfalls über ein ähnliches gewerkschaftssystem verfügen... russische freunde von mir arbeiten für 4€ 13h am tag auf deutschen baustellen... das ist die realität!


    gruß,


    shane

    He is the world's coolest dude. A legend from the 70's. Loved by chicks and admired by fellas. One fashion icon. He'll show you how to be a player.

  • ... klar gibt es so etwas wie Sklavenlohn bereits in Europa.
    Aber genau das bestätigt doch meine Aussage, dass gerade hier durch eine starke Gewerkschaften gegen gelenkt werden muß !
    Es kann doch, bei all diesem Globalisierungswahn nicht sein, das deutsche Arbeitskräfte künftig mit dem Einkommen u. Rechten eines indischen Tagelöhners verglichen werden.
    Es sollte doch darum gehen, dass z.B. auch ein künftige EU-Mitglieder, langfristig auf ein soziales Niveau angehoben (!) werden, in dem eben nicht Sklavenlohn als Bezahlungsbasis Geltung hat, sondern Ziel sein sollte : gerechter Lohn für gute Arbeit und nicht willkürliche Bezahlung nach gut dünken !
    Zur Zeit ist aber die Tendenz festzustellen, dass wohl eher die eingeschnittenen Rechte (wenn sie überhaupt vorhanden sind) und die unangemessen niedrigenn Löhne der dritten Welt-Länder als Berechnungsgröße künftiger, deutscher Arbeitnehmer gelten soll.


    Das dies im Sinne mancher Arbeitgeber sein soll und sie nun die Gunst der Stunde nutzen wollen, kann ich sogar nachvollziehen. Das aber auch zunehmend "kleine Leute" diesem Klagelied des Unternehmerverbandes zustimmen und die Situation damit total ad absurdum führen, hängt mir einfach zu hoch. Da wird wohl der Feind verstärkt in der falschen Ecke gesucht und somit der Bock zum Gärtner gemacht !
    Demnach liegt das Heil der Welt in den Arbeitgeber-Verbänden u. deren Forderung auf eine "Kultivierung des Verzichtes", bloß das dann eben nur die Kleinen verzichten werden.
    Nur so am Rande, in dem (ach so gierigen ) Deutschland, liegen 43% des Gesamtvermögens in den Händen von nur 4% der Bevölkerung. Es gab in der Geschichte der BRD noch nie so viele Milliardäre (nicht Millionäre!) wie zur Zeit. Und jede Putzfau bei Daimler Crysler zahlt mehr Steuern an den Staat als das gesamte Unternehmen.
    Dies ist übrigens kein Geheimwissen, sondern Allgemeingut, für (wirklich) interessierte frei zugänglich u. keinesfalls Agitation o.ä. !
    In Deutschland liegt meiner Meinung nach der Hase ganz wo anders im Pfeffer ....... !
    Vielleicht interessiert sich jemand hier für mehr Hintergrund-Info, hier kann ich nur das attac-Netzwerk als Infoquelle empfehlen.
    Unter Umständen gewinnt man dann eine andere, weniger einseitige Sicht der Dinge ! ;)

    Ich bin zu allem fähig, aber zu nichts zu gebrauchen!

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