Warum sind die Kosten Festnetz -> Handy in D so hoch?

  • Guten Morgen!


    Nachdem meine Suche nach "Interconnection", "Kosten Festnetz Handy" und "E-Plus Festnetzgeschäft" keine befriedigende Suchergebnisse geliefert hat, mach ich mal einen neuen Thread auf:
    O2 und seit neuestem auch E-Plus versuchen, mit ihren Angeboten, Leute vom Festnetz zum Handy zu locken (Genion und die 1000 min am Wochenende). Meiner Meinung nach sind die Aktionen echt gut, wobei E-Plus eigentlich den 3ct.-Tarif wieder einführen könnte (ich hab ihn :p ), nachdem T-Mobile mit ihren Relax-Tarifen die T&M ganz schön angreifen.
    Schön und gut, aber meine Gesprächspartner werden sich freuen, in Zukuft statt den Festnetztarifen die wesentlich teueren Tarife Festnetz-> Handy bezahlen müssen. Worin liegt eigentlich die Begründung dafür, dass man heute dank Liberalisierung des Telefonmarktes um nicht mal 3 ct/min in die USA telefonieren kann, ich aber mindestens 20ct/min vom normalen T-Net-Anschluss auf mein Handy, das genau neben mir liegen kann, bezahlen muss? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass der technischen Aufwand so groß ist, der solche teueren Tarife rechtfertigen würde? Oder sind da die Netzbetreiber selber schuld, die von der Telekom & Co. hohe Gebühren für die Vermittlung kassieren? Meiner Meinung nach wäre das ein Schuss ins eigene Knie, vor allem für die E-Netze :confused:

    Bye bye barring o2 - hello Vodafone D2!
    Das hervorragende Netz und der gute Service sind mir 5€ im Monat mehr wert!

  • Die Regulierungsbehörde hat Zusammenschaltentgelte (die sog. Interconnectionpreise) zwischen den Netzen festgelegt, die verbindlich für alle Netzbetreiber gelten. Individualvereinbarungen bedürfen der Genehmigung.


    Für Verbindungen über das Festnetz in die nationalen Mobilfunknetze gelten folgende Interconnectionpreise:


    Zielnetz - Euro/Minute


    T-Mobile - 0,1492
    Vodafone - 0,1492
    O2 - 0,1850
    E-Plus 0,1850


    Der Provider möchte natürlich an dem Gespräch auch etwas verdienen - und schon bist du bei den aktuellen Preisen (+- 20 Cent) für die Gespräche in die nationalen Mobilnetze. Manche Provider routen geschickt über das Ausland und können so günstigere Preise anbieten.


    Grüße,
    Andre

  • Ich empfinde die Preise auch als zu hoch. Doch Gespräche zum Handy könnten schon bald günstiger werden als bisher. Entsprechende Planungen gibt es bereits von der EU-Kommission. Es ist allerdings fraglich, ob im Fall der Fälle die deutschen Festnetzbetreiber eventuell niedrigere Interconnectionkosten an die Endkunden weitergeben. Nur wenn die Kunden dann tatsächlich öfters in die Mobilnetze telefonieren würden, könnte der Mengeneffekt die Umsatzeinbußen wieder kompensieren. Gerade für die "kleinen" Netzbetreiber wird es dann schwer.


    In den Niederlanden wurden die Interconnectionpreise für die Mobilnetze schon gesenkt - um immerhin bis zu 8 Cent.


    Grüße,
    Andre

  • Zitat

    Original geschrieben von Andre B.
    Die Regulierungsbehörde hat Zusammenschaltentgelte (die sog. Interconnectionpreise) zwischen den Netzen festgelegt, die verbindlich für alle Netzbetreiber gelten. Individualvereinbarungen bedürfen der Genehmigung.


    Grüße,
    Andre



    Danke für die Antwort! :) Aber warum wird hier der Wettbewerb absichtlich verhindert? Ich denke mal, dass es nicht schaden würde, hier auch die Regeln der Marktwirtschaft zuzulassen. Wie du schon gesagt hast, viele Leute könnten auf das Festnetz verzichten und dadurch nehmen automatisch die Anrufe vom Festnetz/andere Netze auf's Handy zu. Wenn die Preise gesenkt würden und die Netzbetreiber eine faire UMTS-Flat anbieten, wäre das Problem mit dem Internet auch gelöst, das ist in meinen Augen die einzige Chance, wie die hohen UMTS-Kosten wieder einigermaßen eingespielt werden können. Ich glaube nicht, dass das der Fall sein wird, wenn nur ein paar wenige diese Dienste nutzen (wie im Moment Wap oder GPRS), vor allem zu den horrenden Preisen, wie sie im Moment herrschen!

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  • So wie ich es bisher verstanden habe, hat die Regulierungsbehörde gerade nichts in dem Bereich festgelegt. Die würden auch kaum der Telekom 1,x CT bewilligen und den Mobilnetzen das 10-fache.


    Es ist ja gerade in der Diskussion, ob die Kompetenzen der Regulierung auch auf den Mobilfunkmarkt ausgedeht werden sollten - in meinen Augen ist das längst überfällig. Die benötigen nicht wesentlich höhere Preise als die Telekom. Und wenn man ins Festnetz 3 CT zahlen muss, netzintern aber das x-Fache, dann kann man nur den Kopf schütteln, wie offensichtlich hier abgezockt wird.


    Bei den derzeitigen Preisen betteln die Anbieter ja regelrecht um Regulierung... ;)

  • Grundsätzlich stimme ich dir zu. Die Interconnectionpreise zu den Mobilfunknetzen sollten aus Sicht der Kunden gesenkt werden. Es ist aber - wie ich bereits in meinem letzten Beitrag angedeutet habe - fraglich, ob die Festnetzbetreiber niedrigere Interconnectionkosten an die Endkunden weitergeben würden. Ich bezweifel das, da Anrufe in die Mobilfunknetze auch für die Telekom, Arcor und Co. lukrative Einnahmequellen sind. Doch nur durch durch tatsächlich günstigere Preise und dementsprechend mehr Telefonate in die Mobilfunknetze, könnte der Mengeneffekt die Umsatzeinbußen gerade für die zwei kleineren Mobilfunkanbieter E-Plus und O2 wieder kompensieren.


    Aus Sicht der Mobilfunknetzbetreiber und der Regulierungsbehörde gibt in Deutschland einen funktionierenden Wettbewerb. Die Kundenzahlen der Mobilfunkbetreiber sprechen eine deutliche Sprache. Bei Unternehmen wie E-Plus und O2, die auch heute noch um einen Gewinn kämpfen müssen, dürfte sich bei einer verordneten Preissenkung der Weiterleitungskosten das Erreichen der Gewinnschwelle verzögern.


    Grüße,
    Andre

  • Zitat

    Original geschrieben von Andre B.
    Grundsätzlich stimme ich dir zu. Die Interconnectionpreise zu den Mobilfunknetzen sollten aus Sicht der Kunden gesenkt werden. Es ist aber - wie ich bereits in meinem letzten Beitrag angedeutet habe - fraglich, ob die Festnetzbetreiber niedrigere Interconnectionkosten an die Endkunden weitergeben würden. ...


    Grüße,
    Andre


    Kannst Du mal von ausgehen. Sicher sind T & Co. nicht die ersten, die die Preise senken, aber es gibt je genug andere Provider. Einer fängt an, und ein paar andere ziehen nach. Dann geht zumindest was mit Call by Call. :D

    Vertrauensliste Teil V #1, Teil IV #2, #3, #4, Teil III #5, Teil I (die ganz alte - mit Strg+F nach windsandsterne suchen) #6 - und die vielen, die sich nicht eintragen.

  • Zitat

    Kannst Du mal von ausgehen. Sicher sind T & Co. nicht die ersten, die die Preise senken, aber es gibt je genug andere Provider. Einer fängt an, und ein paar andere ziehen nach. Dann geht zumindest was mit Call by Call.


    Davon kann man leider nicht ausgehen. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass die Margen im Mobilfunkbereich immer groß gehalten werden. Bisher haben die großen Festnetzanbieter nur mit Preisnachlässen für Gespräche in die eigenen Mobilfunknetze reagiert. Die Unternehmen denken eben wirtschaftlich.

  • In diesem Zusammenhang müsste man auch mal die horrenden Kosten für die Weiterleitung ins Ausland erwähnen. (Wenn ein deutscher Teilnehmer im Ausland roamt). Die sind nun wirklich durch nichts zu rechtfertigen. Die Weiterleitung dürfte den Netzbetreiber nur einige Cent kosten, zudem erspart er sich die Nutzung des eigenen Funkkanals, von den Kunden werden jedoch ca. 60 cent/min verlangt.

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