Peering - Datenaustausch Netzbetreiber, ISPs, Carrier

  • Und in meinen Augen ist der auch vollkommen richtig.

    Du möchtest also, dass jemand mit Geld (..., Zuckerberg, Musk, ...) darüber entscheiden kann, welche Informationen gut erreichbar sind und welche schlecht erreichbar sind? Das halte ich - gesellschaftlich - für ein gefährliches Spiel.


    Das davon der Netzausbau kaum bis nicht profitieren wird habe ich vor über 10 Jahren bereits erklärt (dort zwar mit Fokus auf die damalige Idee der Special Services, aber bevorzugter Transport per Paid-Peering ist dem recht ähnlich):

    https://www.businessinsider.de…pezialdienste-netzausbau/


    Falls wir das weiter diskutieren wollen schlage ich allerdings einen neuen Thread "Peering-Policies / Netzneutralität" dafür vor. Hier ist das eigentlich hochgradig off topic.

  • Das ist genau der Weg, den Vodafone jetzt auch gehen wird.


    Und in meinen Augen ist der auch vollkommen richtig. Die Content-Anbieter verdienen sich mit ihrem System dumm und dämlich aber die Kosten für den Netzausbau, worüber deren ganzer Müll verbreitet wird, tragen die Nutzer über ihre Providerverträge.

    Ich sehe den Punkt, aber ganz so einfach ist es nicht. Der Kunde bezahlt seinen Internetanschluss ja bereits beim Provider und zwar genau dafür, Daten aus dem Internet abzurufen. Wenn jetzt zusätzlich Content Anbieter zur Kasse gebeten werden, läuft das im Grunde auf eine doppelte Monetarisierung hinaus.


    Außerdem profitieren die Provider ja selbst massiv davon, dass es überhaupt große Content-Anbieter gibt. Ohne Dienste wie Streaming, Cloud oder Social Media wäre die Nachfrage nach schnellen Tarifen deutlich geringer. Das heißt: Der Ausbau der Netze wird nicht nur „für fremde Inhalte“ gemacht, sondern ist ein zentraler Teil des eigenen Geschäftsmodells.


    Am Ende zahlt sonst nicht „der große Content-Anbieter“, sondern indirekt wieder der Nutzer – entweder über höhere Abo-Preise oder schlechtere Qualität.

  • Wenn Bigplayer wie die Telekom langfristig mit diesem Geschäftsmodell spürbar Kasse machen, werden viele andere bald nachziehen (müssen).


    Der Druck in der Branche eine funkelnde Bilanz präsentieren zu können ist gewaltig. Und das hat auch mit dem größten Einzelaktionär=Eigentümer der Telekom zu tun: Der deutsche Staat (Anteil 27,8%).


    Wir erinnern uns: 2024 wurde größere Anteile (110 Mio Aktien) veräussert, um Infrastrukturprojekte wie den Schienenausbau zu finanzieren. Weitere Veräusserungen stehen im Raum.

  • Der Kunde bezahlt seinen Internetanschluss ja bereits beim Provider und zwar genau dafür, Daten aus dem Internet abzurufen.

    Bei Backups in der Cloud ist es z.B. umgekehrt. Und der »Kunde« soll dann auch den ganzen Traffic der KI-Crawler etc. mitzahlen? Das Internet funktioniert nicht nach dem Schema Hersteller und Verbraucher, und man sollte auch nicht versuchen, das vollends in diese Richtung zu transformieren.

  • Wenn Bigplayer wie die Telekom langfristig mit diesem Geschäftsmodell spürbar Kasse machen, werden viele andere bald nachziehen (müssen).

    Das mit dem "müssen" sehe ich nicht so:


    Die Telekom kann die zusätzlichen Einnahmen - regulatorisch bedingt - nicht dazu nutzen um Endkundenpreise zu senken oder niedrig zu halten.

    Warum? Bei den Endkundenpreise der Telekom wird regulatorisch darauf geachtet, dass diese nicht zu niedrig sind, damit die Wettbewerber eine Chance haben mit entsprechenden Vorleistungsprodukten mitzuhalten. D.h. im Telekom-Endkunden-Preis müssen alle Leistungsbestandteile enthalten sein, die in den entsprechenden Vorleistungsprodukten enthalten sind. In den Vorleistungsprodukten L2-BSA, IP-BSA und "ISP-Gate" ist der Datentransport innerhalb des Telekom-Netzes bis zu dezentralen oder zentralen Übergaben (je nach Vorleistungsprodukt) enthalten, also muss die Leistung "Datentransport innerhalb des Telekom-Netzes" regulatorisch auch im Telekom-Endkundenpreis enthalten sein.


    Dazu kommt der Aspekt des "könnens":


    Nicht jeder Zugangsanbieter kann dieses Spiel spielen, denn zuerst muss er mit seinem Netz Tier-1-Status erreichen, d.h. nirgends mehr Transit einkaufen müssen. Wer kein Tier-1 ist muss seinerseits für den Traffic, der nicht per Peering kommt, bezahlen.


    Sonderfall Vodafone: Vodafone Deutschland (AS3209) ist Tier-2 und bezieht Transit bei Vodafone Global (AS1273, fast Tier-1) und Colt/Lumen (AS3356, Tier-1). D.h. da man ein Nahezu-Tier-1-Netz im Konzern hat, könnte man das Spiel auf dem Telekom-Niveau versuchen, man hat sich aber - um die Unitymedia-Übernahmen genehmigt zu bekommen - ggü. der EU-Kommission dazu verpflichtet, diese Transit-Anbindungen nicht "auf Anschlag" zu betreiben. Darüber hinaus liegen die bisher bekannten Preise, die Vodafone für Paid-Peering aufruft, bei etwa 1/20 von dem, was die Telekom aufruft und damit für die anderen Netze noch immer günstiger als normaler Transit.


    Bei Backups in der Cloud ist es z.B. umgekehrt. Und der »Kunde« soll dann auch den ganzen Traffic der KI-Crawler etc. mitzahlen? Das Internet funktioniert nicht nach dem Schema Hersteller und Verbraucher, und man sollte auch nicht versuchen, das vollends in diese Richtung zu transformieren.

    Der Gedanke kam mir gestern auch:


    Die Telekom versucht sich als sympatischer Robin-Hood darzustellen, der das Geld nur bei denen kassiert, die mit dem Content Geld verdienen, die technische Umsetzung ist dann aber, dass der "Sender" der Daten zahlen soll, die ja - in genau den von Dir genannten Fällen - nicht die Partei ist, die mit dem Content Geld verdient. Schöner Widerspruch zur "Robin-Hood"-Rolle.

  • Sonderfall Vodafone: Vodafone Deutschland (AS3209) ist Tier-2 und bezieht Transit bei Vodafone Global (AS1273, fast Tier-1) und Colt/Lumen (AS3356, Tier-1). D.h. da man ein Nahezu-Tier-1-Netz im Konzern hat, könnte man das Spiel auf dem Telekom-Niveau versuchen, man hat sich aber - um die Unitymedia-Übernahmen genehmigt zu bekommen - ggü. der EU-Kommission dazu verpflichtet, diese Transit-Anbindungen nicht "auf Anschlag" zu betreiben. Darüber hinaus liegen die bisher bekannten Preise, die Vodafone für Paid-Peering aufruft, bei etwa 1/20 von dem, was die Telekom aufruft und damit für die anderen Netze noch immer günstiger als normaler Transit.

    Es bleibt abzuwarten wie sich das mit der Beendigung des Public Peerings durch Vodafone und Umstellung auf Inter.link entwickeln wird.


    Wurde denn zwischenzeitlich der komplette Datenverkehr der ehemaligen Unitymedia, Kabel BW und Kabel Deutschland ins AS3209 überführt? Oder gibt es hier noch historisch bedingt Parallelstrukturen?

  • Es bleibt abzuwarten wie sich das mit der Beendigung des Public Peerings durch Vodafone und Umstellung auf Inter.link entwickeln wird.

    Obiger Preis ist bereits der via inter.link. Der Großteil der Public Peerings ist in Stufen bis 19.3. weggefallen.

    Wurde denn zwischenzeitlich der komplette Datenverkehr der ehemaligen Unitymedia, Kabel BW und Kabel Deutschland ins AS3209 überführt?

    Ja.

  • - Regulierungsbehörde: seit Ende April letzten Jahres Kenntnis/ muss klären ob die geäußerten Vorwürfe hier zutreffen- entscheiden wie es weitergeht.;)

    https://www.vzbv.de/pressemitt…s-reicht-beschwerde-gegen

    (betrifft dann auch Vodafone/andere Anbieter machen wohl noch nicht mit?!)


    -kann nur unabhängiges Fachpersonal der Behörde beurteilen.

    -Ein Jahr ist wohl für ne Behörde gar keine Zeit,denn in der Sache hat man bisher noch nix gehört.


    a) kann es nicht sein das der Anbieter der nicht mitmacht einen Nachteil hat,nach dem Motto : der Ehrliche ist der dumme

    b) sich grosse Firmen eine Überholspur kaufen können und ebenso dadurch einen Wettbewerbsvorteil haben gegenüber mittelständischen Unternehmen oder Start ups.

    Bei Zero Rating wurd das übertragene Beispiel gebracht:

    Welche Unterkunft nehmen die Leute...

    Das Hotel inkl.Frühstück oder das Inhabergeführte Hotel,wo man aber das Frühstück noch selber bezahlen muss?


    laut Tagesschau soll es ja z.B. schon bei einem Start Up hier um richtig viel Geld gehen:

    Zitat

    ....ein hoher vierstelliger Betrag pro Monat.

    der an den Netzanbieter gezahlt werden müsse.Finde ich sehr viel Geld und deswegen konnte sich in diesem Fall das Start Up es eben auch nicht leisten.:rolleyes:

    Wieso aber sollte das Start Up nur wegen seiner Größe einen Nachteil haben?

    https://www.tagesschau.de/wirt…lekom-drosselung-100.html

  • Was soll jetzt eigentlich "die Lösung" sein? Staatlich gedeckelte/regulierte Preise für IP-Transit/Paid-Peering?

    Ich würde mir da eher Vernunft statt staatlicher Eingriffe wünschen, aber wenn's staatliche Eingriffe sein sollen, würde ich versuchen "dezent" vorzugehen und nicht bei den Preisen ansetzen sondern bei den Auswirkungen für den Kunden:


    1. Mindestens 75% der Interkonnektionen mit Tier-1-Netzen dürften nicht regelmäßig "auf Anschlag" betrieben werden.

    2. Wenn Konzern-intern Transit bezogen wird (z.B. AS3209<->AS1273) dann dürfte das ebenfalls nicht regelmäßig "auf Anschlag" betrieben werden und 1. würde auch für den Konzern-internen Transitgeber gelten.

    Einmal editiert, zuletzt von dw4817 ()

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