Danke für die Auflistung und Aufschlüsselung der ungefähren Kosten. Damit kann man ja schonmal beispielhaft rechnen.
Von „alles in zwei Jahren finanzieren“ habe ich nicht geschrieben. Wie du auch direkt zitiert hast, schrieb ich „Jahrzehnte an Grundgebühren“. Lass uns ruhig einfach mal von genau zehn Jahren ausgehen. Da kommen laufenden Kosten, ja, aber es ist dann auch kein Minusgeschäft. Natürlich muss so ein Netzbetreiber, der ausbaut, sehr langfristig denken. Aber das kann er doch auch? In den meisten Fällen baut er exklusiv, und wenn dann erstmal Glasfaser liegt und der Teil der Leute angeschlossen ist, die sofort wechseln wollten, wird sich in den zehn Jahren kein zweiter Anbieter breitmachen wollen. Lohnt sich nicht.
Ich zeig dir mal ein praktisches Gegenbeispiel: https://www.lwlhome.de/
Drei Preispunkte: einmal für die Gruppe derjenigen, die nur irgendwie bisschen Internet wollen. Einmal mit Gigabit, und einmal mit 10 Gigabit(!).
Keine Fallen, kein Scheiß, alle Tarife mit Fullflat (d.h. auch ins Mobilfunknetz!), alle vollsymmetrisch down/up, keine Zweijahresverträge.
DAS sind Angebote, die ich sehen will und bereit bin zu bezahlen. Und diese lohnen sich für die Firma auch. Es gibt keine Rumgetrickse mit 300, 600, 1000 MBit/s, wo dann Gigabit für 70 oder 80 Euro reinkommen soll. Es gibt Preise, die absolut nicht teurer sind als DSL-Tarife, aber den technischen Vorteil der Glasfaser direkt zum Kunden bringen. Ein absoluter Mehrwert, und deswegen sind die Abschlussquoten auch sehr hoch. LWLCom ist seit über 25 Jahren in Bremen aktiv und wird es auch die nächsten Jahrzehnte sein. Ja, der Ausbau ist ziemlich langsam (also nur wenige Gebiete werden neu erschlossen), aber wirtschaftlich. Leider sind inzwischen überall anders in Bremen Glasfaser Nordwest oder DG oder OXG auf den Plan getreten. In zehn Jahren ist die Stadt komplett versorgt, aber die Tarife der anderen Anbieter sind deutlich höher – obwohl da teilweise milliardenschwere Konzerne hinterstehen.
Und 10 GBit/s bietet niemand an.
Für welchen Investor rechnet sich das? Ich denke dass es noch schwerer als jetzt schon wäre, überhaupt Investoren für den Glasfaserausbau zu finden.
Die heutigen Herausforderungen höhere Kapitalkosten als noch vor sechs Jahren, Knappheit an Ausbaukapazitäten, deutlich gestiegene Baukosten, Insolvenz von Bauunternehmen; Zugangsproblematik/Ausbauproblematik NE4 in MFH wären genauso vorhanden.
Ich glaube nicht, dass wir mit dem vorgeschlagenen Modell eine bessere Situation hätten; im Gegenteil.
Und wie haben es die Schweizer hinbekommen? Überall, wo ausgebaut wird, liegen (mindestens) vier Anschlüsse. Die Bürger bekommen bereits jetzt in diesen Gebieten 25 GBit/s. Es gibt einen funktionierenden Wettbewerb. Also irgendwas haben die besser gemacht als Deutschland.