Der allgemeine Annette Schavan Thread - Die Plagiatsaffäre

  • Zu den Fußnoten in Geistes- und Sozialwissenschaften:


    Kriterium für Nachweise durch Fußnoten ist neben dem Urheberschutz die lückenlose Nachprüfbarkeit der Aussagen einer Arbeit. Das ist allerdings weniger trennscharf, als es klingt. Es gibt ein paar Aussagen, die sind so allgemeingültig und etabliert, dass sie nicht nachgewiesen werden müssen. Die Grenze zu ziehen ist nicht ganz einfach, und sie verläuft auch unterschiedlich je nach Status eines Wissenschaftlers. Ein Doktorand muss zumindest in der Abgabefassung eher mehr als erforderlich nachweisen.

  • Zitat

    Original geschrieben von shelter
    Das, was Schavan da an dieser Stelle gemacht hat, ist schon für Hausarbeiten ein grenzwertiges und dann auch noch unnötiges Vorgehen. Aber halt einfach.


    Mir ist der gemeinsame Fehler bei der Quellenangabe auch aufgefallen. Aber das ändert nichts an meinem Zweifeln, ob diese Stelle selbst bei "großzügigem Maßstab" als Betrugsabsicht zu werten wäre. In dubio und so weiter.


    Mir ist klar, dass es keine objektiven Bewertungsmaßstäbe gibt! Es ist absolut denkbar, dass Frau Schavan bei einem anderen Doktorvater mit dieser Arbeit nicht durchgekommen wäre. Aber das ist hier nicht das Thema. Das Thema ist, ob wir, 33 Jahre später, so OFFENSICHTLICHE UND GRAVIERENDE Mängel finden, dass man gar nicht anders kann, als Betrugsabsicht zu unterstellen.

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  • Zitat

    Original geschrieben von Felsen2000
    Mir ist der gemeinsame Fehler bei der Quellenangabe auch aufgefallen. Aber das ändert nichts an meinem Zweifeln, ob diese Stelle selbst bei "großzügigem Maßstab" als Betrugsabsicht zu werten wäre. In dubio und so weiter.


    Nee. Ist natürlich nur Zufall. ;)

  • Frau Schavan hat ihre Arbeit im Zeitalter von Karteikarten geschrieben. Ich bin mir ziemlich sicher, sie hat bei dem obigen Beispiel sich einen Vermerk auf einer Karteikarte gemacht und diesen dann in der Arbeit verwendet. Der fehlende Nachweis ist hier eher eine Schludrigkeit als ein mutwilliges Plagiat - ganz besonders bei diesem Beispiel, wo noch nicht mal erkennbar ist, welchen Vorteil Frau Schavan aus dem fehlenden Nachweis hätte ziehen können. Nämlich: gar keinen.

  • Also das was da bei schavanplag zu lesen ist ist ja wirklich was schon niedlich...


    Während Herr von und zu G. ja komplette Textpassagen ohne irgendwelche Quellen o.ä. angegeben hat ist bei den meisten (habe jetzt nicht alle "Fundstellen" im Detail gelesen) Punkten die man da so vorgesetzt bekommt bei Fr. Schavan deutlich zu erkennen, dass es sich bei den Abschnitten nicht um eine eigene "geistige Leistung" oder entsprechende Erkenntnisse handelt, sondern sie hat - wenn auch deutlich schlampig - schon herausgestellt, dass die Schlussfolgerungen nicht von ihr selbst stammen.


    Ganz grob gesagt hat sie häufig die Sekundärquelle "unterschlagen" und direkt auf die Primärquelle abgestellt, unsauber und laienhaft keine Frage - aber Betrugsabsicht? Da hätte ich auch meine Zweifel.


    Des Weiteren kann sich wohl kaum jemand von uns hier ein wirklich abließendes Urteil erlauben, hierfür reicht kein Wiki o.ä. sondern man müsste sich hinsetzen und die komplette Arbeit sowie die bemängelten Passagen inkl. Primär- und Sekundärquellen durchackern - insbesondere wenn es darum geht beurteilen und bewerten zu können ob und wie viel dieser Fehler/Plagiate an der eigentlichen eigenen Leistung der Doktorarbeit ausmachen. Sind die kritisierten Passagen wirklich relevant?


    Welche These hat Fr. Schavan eigentlich aufgestellt, wie diese ausgearbeitet und mit welchem Ergebnis? Hierzu schweigt sich auch Schavanplag und Konsorten lieber aus. Spielt es eine entscheidene Rolle ob Nowak zitiert wurde oder nicht? Die entscheidenen Fragen bleiben hier völlig außen vor, Hauptsache man kann medienwirksam jemanden "überführen".


    Ich wage zu behaupten, dass wenn man sich 100 andere Doktorarbeiten von vor 30 Jahren vornehmen würde in min. 95 davon sich ähnliche "Fehler" finden lassen würden. Und dabei müsste man höchstwahrscheinlich noch nicht einmal so weit zurück gehen, ein ähnliches Ergebnis würde wahrscheinlich die Überprüfung von Doktorarbeiten ans Licht bringen die vielleicht gerade mal 5 Jahre auf dem Buckel haben.


    Und so richtig mit Ruhm hat sich die Uni bei der "Aufklärung" hier auch nicht bekleckert:


    "Man muss nur einmal die Plagiatsfälle Guttenberg und Schavan vergleichen: An der Uni Düsseldorf dauerte das ganze Verfahren rund neun Monate. Dass es dabei zu immer neuen Lecks kam und interne Papiere öffentlich diskutiert wurden, war verheerend. Zudem waren von den 17 Mitgliedern des Fakultätsrates sieben nicht selbst promoviert. Gleichzeitig saß in dem Gremium kein einziger Vertreter des Faches Erziehungswissenschaft, in dem Schavan vor 30 Jahren ihre Dissertation verfasst hat. Auf externe Experten hatte man verzichtet, jede Kritik von außen wurde abgewehrt. Im Laufe der Untersuchung hat sich eine ganze Hochschule eingebunkert."


    http://www.zeit.de/2013/07/Sel…nette-Schavan-Doktortitel


    (Ja ja ist aus der Zeit, ändert aber an der Sachlage in diesem Fall mal nichts...)


    Hat Fr. Schavan schlampig gearbeitet? Keine Frage.
    Ist so eine Arbeit ein "magna cum laude" wert? Wohl eher nicht.
    Kann man deswegen aber gleich von "Betrugsabsicht" sprechen? Hier hätte ich meine berechtigten Zweifel.


    Auch ihr ehemaliger Doktorvater sieht das ganze etwas entspannter als die allgemeine Stimmungslage die ja offenbar gerade danach lechtzt irgendjemanden an den nächsten Baum nageln zu können:


    http://www.rp-online.de/politi…fuer-beachtlich-1.3031935

  • Zum Thema


    "intellektuelle Verwahrlosung der Schavan-Debatte"
    (siehe auch vorstehender Beitrag als Beispiel)
    siehe aktuelle Artikel:


    http://www.tagesspiegel.de/wis…oste-debatte/7837502.html


    ... in diesem Zeitungsartikel (leider schlecht formatiert Frage /Antwort schlecht unterscheidbar) sieht man viele von ChickenHawks Argumenten widerlegt.


    und in der FAZ steht, dass es nun auch den Ehrendoktortiteln von Frau Schavan an den Kragen geht.


    Deutsche Uni Kairo startet Entziehungsverfahren und die Meiji - Universität in Japan scheint ähnliches zu planen.
    http://www.faz.net/aktuell/pol…-doktorgrad-12092652.html

  • Aktuelle Neuerungen


    Es scheint immer noch zu gären in der Welt der Wissenschaft, rund um Frau Schavans Veröffentlichungspraxis:


    http://schavanplag.wordpress.com/

    Zitat

    Frau Schavan hat nun aber nicht nur, wie wir heute wissen, 1980 in ihrer Promotionsarbeit plagiiert, sondern auch noch 28 Jahre später in dem ausdrücklich zur Begründung ihrer Bestellung zur Lehrenden genannten 10-seitigen Beitrag, der in einer Publikation des Herder-Verlags erschienen ist. Auf den beiden rot hervorgehobenen Seiten findet sich eine Übernahme, die den Umfang von ungefähr einer Buchseite hat, aus dem 2007 ebenfalls bei Herder in einem Sammelband erschienenen Aufsatz Universität und Theologie im Mittelalter des Freiburger Theologen Peter Walter, den sie an keiner Stelle erwähnt.


    Es geht offenbar um den Text, mit dem sie sich für die Honorarprofessur an der FU Berlin qualifiziert hat.. und der laut obigem rund 10% Plagiatsanteil hätte.


    http://www.tagesspiegel.de/wis…egen-schavan/7910838.html

  • Re: Aktuelle Neuerungen


    Zitat

    Original geschrieben von iStephan
    Es scheint immer noch zu gären


    Nur hier nicht mehr. ;)

    “Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muß sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.” Albert Einstein

  • Zitat

    Original geschrieben von iStephan Abwarten ^^


    Genau. Man liest hier mit, und denkt sich seinen Teil...


    Gruß Jörg

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