US-Geheimdepeschen sind Online (wikileaks & Spiegel)

  • Jeder, der mal über seinen Chef, seine/n Partner/in, seine Freunde, seine Nachbarn oder seine Kunden gelästert hat sollte jetzt bitte umgehend dies alles veröffentlichen, ohne Rücksicht auf Verluste. Schließlich hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf, es zu erfahren, und man will ja ohne Verlogenheit leben, gelle?


    Und Klagen über die Datensammelwut von Facebook, Google oder den BND will ich jetzt auch nicht mehr höhren, schon gar nicht über StreetView.

    LG: V30
    Samsung: Galaxy Tab S2 LTE, A5 (2017);
    Sony: Xperia X Compact;

  • Ich finde es erstaunlich, wie hier alle noch auf unseren Spitzenpolitikern rumhacken, statt sie gegen die Kritik aus den USA zu verteidigen. Es ist doch klar, dass jemand wie Westerwelle stark kritisiert wird. Er steht für deutsche Interessen ein z.B. beim Thema Weitergabe von Fluggastdaten. Das die überwachungsfanatischen Amerikaner das nicht toll finden, macht ihn mir gerade sympathisch! :top:

  • "Interessant", dass es eine Webseite neben Google gibt, die eine derartige Macht ausüben kann. Ich finde es eher erschreckend.


    Es gibt Dinge, die die Welt nicht erfahren muss. Leute, Area51 ist wahr! I want to believe! :D

  • Zitat

    Original geschrieben von dragon-tmd
    "Interessant", dass es eine Webseite neben Google gibt, die eine derartige Macht ausüben kann. Ich finde es eher erschreckend.


    Tja wenn Lidl oder die Telekom an Daten und Informationen über ihre Mitarbeiter rankommen wollen ist das Geschrei nach Datenschutz, Privatsphäre etc. pp. riesengroß, wenn aber jeder Dulli irgendwelche vertraulichen Informationen oder Dokumente von Regierungen ins Netz stellt gilt das dann als investigativer Journalismus... Sollte einem auch mal zu denken geben.


    Ich prophezeie mal, dass dieses Thema in den nächsten Wochen still und heimlich wieder aus den Nachrichten und damit auch aus dem Bewustsein der breiten Masse verschwinden wird, spätestens wenn irgendwo auf der Welt sich wieder eine Flut-Katastrophe oder Erdbeben ereignet (was uns dieses Jahr zu Weihnachten und auch sonst bitte einfach mal erspart bleiben möge) ist Wikileaks und seine "investigativen" Enthüllungen sofort wieder abgemeldet.

  • Zitat

    Original geschrieben von rainer2911
    Ich finde es erstaunlich, wie hier alle noch auf unseren Spitzenpolitikern rumhacken, statt sie gegen die Kritik aus den USA zu verteidigen. [...] Das die überwachungsfanatischen Amerikaner das nicht toll finden, macht ihn mir gerade sympathisch! :top:


    Zunächst einmal waren diese Memos keine Kritik an irgendjemandem, sondern interne Notizen und Anmerkungen, die einem US-Gesprächspartner einen ersten Eindruck von seinem zukünftigen deutschen Gesprächspartner geben sollen. Von daher handelt es sich lediglich um dienstinterne Aufzeichnungen, die eher einen nüchtern beschreibenden Charakter haben. Und ganz ehrlich: um diese Eindrücke, die die amerikanischen Diplomaten von unseren sogen. Spitzenpolitikern haben, bestätigt zu finden, muss man diesen "Spitzen" einfach mal fünf Minuten zuhören oder zusehen, dann weiß man, dass sie eine ziemlich zutreffende Einschätzung darstellen. ;) Aber was daran so verdammt geheim sein sollte, wüsste ich wirklich nicht. Ich persönlich würde zur Klassifizierung solcher Informationen eher die Bezeichnung "vertraulich" wählen.


    Zum anderen gibt's an Herrn Westerwelle und seiner Partei wirklich nicht viel, was ihn und seine Partei einem Nicht-Millionär oder Nicht-Atomkraftwerksbesitzer sympathisch (= wählbar) machen könnte. Herr W. repräsentiert m. E. wie kaum ein anderer einen klassischen Lobbyisten der Reichen und Superreichen, die mit ihrem Geld und ihren sonstigen Möglichkeiten direkten Einfluss auf die Gesetzgebung eines Landes nehmen. (Wäre ich ein Linker, würde ich Herrn W. wohl etwas direkter als "Sprechpuppe des Kapitals" bezeichnen.) Wie gesagt, wenn jemand seinen Kopf ziemlich tief im Ende des Verdauungstrakts des Großkapitals stecken hat, dann ist das nichts, was ihn mir sonderlich sympathisch macht. :rolleyes:

    Viele Grüße und einen Happy Day


    Guy Fawkes was the only person ever to enter Parliament with honest intentions.

  • Zitat

    Original geschrieben von Quindan
    Ich will ja nun wirklich nicht wieder mit Verschwörungtheorien um mich werfen, aber wenn die "Gefahr" bei diesem Laden wirklich so groß wäre, hätten die den schon längst dichtmachen lassen. Zwangsweise.


    Selbstverständlich. Wer ist denn bitte "die"? Die USA? Meinst du wirklich, dass es solch ein leichtes wäre, alles, was nicht ins Programm passt, einfach dichtmachen zu lassen? Warum gab und gibt es dann Organisationen, die den USA und ihren "Mittelsmännern", nach wie vor das Leben schwer machen?


    Zitat

    Original geschrieben von Quindan Jeder mag das denken, was er will, und mein Gedanke ist, das es sich um gezielte Desinformationen handelt. Vorige Seite wurde Manipulation angesprochen und genau das ist es auch.


    Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Mit welchem Ziel? Wenn du eine solche Meinung vertrittst möchte ich auch gerne eine glaubwürdige Äußerung lesen wozu es dient und wer davon profitiert.


    Die Antwort hierzu würde mich auch mal interessieren. Sehr sogar. Gezielte Desinformation ... der war super.


    Zitat

    Original geschrieben von Quindan
    Wozu sollte mich eine regierungsgesteuerte Internetseite interessieren? ;)


    Entschuldigung, ich hatte vergessen, dass engstirnige Menschen nur allzuoft unbelehrbar sind.



    JK


    PS: 2011 wird Wikileaks interne Dokumente zur Arbeitsweise einer US-Großbank veröffentlichen. Spontan hätte ich auf Lehman Bros. getippt, aber die passt nicht ganz ins Bild, denke ich.
    http://www.golem.de/1011/79769.html

  • Zitat

    Original geschrieben von ChickenHawk
    Tja wenn Lidl oder die Telekom an Daten und Informationen über ihre Mitarbeiter rankommen wollen ist das Geschrei nach Datenschutz, Privatsphäre etc. pp. riesengroß, wenn aber jeder Dulli irgendwelche vertraulichen Informationen oder Dokumente von Regierungen ins Netz stellt gilt das dann als investigativer Journalismus... Sollte einem auch mal zu denken geben.


    Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Vergleichbar mit den Vorgängen bei LIDL oder der Telekom wäre allenfalls die Tatsache, dass die US-Regierung die Depeschen in einer zentralen Datenbank speichert.


    Was jetzt bei Wikileaks passiert ist, entspräche den bei LIDL im Müll gefundenen Krankenakten (auch im fremden Müll hat man nix zu suchen). Der Skandal war hier aber nicht, dass jemand die Frechheit besessen hat, fremden Müll zu durchsuchen, sondern dass LIDL solche Daten überhaupt erhoben hat.


    Eisernes Gebot beim Datenschutz ist eben die Datensparsamkeit. Daten, die gar nicht erst erhoben werden, können auch nicht missbraucht werden oder an die Öffentlichkeit gelangen.

    Meine Beiträge können Spuren von Zynismus und Sarkasmus enthalten.

  • Zitat

    Original geschrieben von archie83
    Was jetzt bei Wikileaks passiert ist, entspräche den bei LIDL im Müll gefundenen Krankenakten (auch im fremden Müll hat man nix zu suchen).


    Eisernes Gebot beim Datenschutz ist eben die Datensparsamkeit. Daten, die gar nicht erst erhoben werden, können auch nicht missbraucht werden oder an die Öffentlichkeit gelangen.


    Nö was hier passiert ist - um bei dem Beispiel mit den Krankenakten zu bleiben - wäre vergleichbar wenn ich Mitarbeiter der PA bei Lidl bin und eine vertrauliche Krankenakte auf den Tisch bekomme.


    Aus welchen Gründen oder Motiven auch immer beschließe ich jetzt, dass diese Akte von öffentlichen Interesse ist und leite es über verschlüsselte Kanäle an Wikileaks zur Veröffentlichung weiter. Mit so einem Verhalten verstoße ich eklatant gegen eine Vielzahl von Datenschutzbestimmungen und gegen meine Obliegenheitspflichten gegenüber meinem Arbeitgeber, von der betroffener Person der die Akte gehört mal ganz zu schweigen. Würde so ein Vorgehen in der Privatwirtschaft rauskommen würde ich
    a) fristlos gefeuert
    b) verklagt
    c) von der Öffentlichkeit (zu Recht) verteufelt, getreu dem Motto "Hängt ihn höher..."


    Jetzt trifft es aber nicht den kleinen Angestellten bei Lidl sondern die ach so bösen bösen USA und plötzlich ist dasselbe Vorgehen investigativer Journalismus und wird von vielen beklatscht.
    Rechtmäßig ist das System Wikileaks bestimmt nicht, ob es jetzt in Einzelfällen opportun oder legitim ist bzw. ob es einige dafür halten sei mal dahingestellt.


    Insofern spielt der Inhalt der veröffentlichten Dokumente primär überhaupt keine Rolle, egal ob und wie Frau Merkel dargestellt wird oder ob Herr Obama und Herr Putin sich über einen gemeinsamen Militärschlag gegen den Iran austauschen die Informationen sind nur an die Öffentlichkeit gekommen weil irgendwer um es mal platt auszudrücken "seine Schnauze nicht halten konnte" und gegen seine oder ihre Verschwiegenheitspflicht verstoßen hat.

  • Ich finde den Lidl/Telekom-Vergleich nicht ganz passend weil das nationale Konzerne sind. Natürlich offenbaren die Datenskandale bei Lidl, Telekom, der Bahn, Penny und zahlreichen anderen, dass etwas gewaltig schief läuft in diesem Land.


    Die Wikileaks-Sache hat aber ein anderes Problem: bzgl. unserer Politiker ist es nur peinlich, wenn rauskommt, wie man sie einschätzt. In den arabischen Ländern kann es aber ungeahnte Folgen haben wenn z. B. offenbar wird, wie die - offiziell solidarischen - Nachbaarstaaten tatsächlich über den Iran denken. Da geht es dann, überspitzt formuliert, um Krieg und Frieden, um Menschenleben.


    Wenn Wikileaks Dinge veröffentlicht, die ansonsten unter den Teppich gekehrt würden und wo Aufklärung erforderlich ist - beispielsweise bei amerikanischen Übergriffen im Irak - finde ich das durchaus in Ordnung. So können sie meinetwegen auch Mauscheleien in den Banken oder bei Stuttgart 21 aufdecken. Oder meinetwegen den Kennedy-Mord aufklären oder andere Dinge, die wirklich von Interesse sind.


    Was im Falle der Depeschen geschah hat aber keinen notwendigen aufklärerischen Charakter. Es gibt keinen positiven Grund, warum diese Informationen in die Öffentlichkeit gebracht werden müssen. Es hat also nichts mit investigativem Journalismus zu tun und bringt keine vertuschten Wahrheiten ans Licht. Unter dem Strich schadet diese Veröffentlichung mehr als sie nutzt. Man will vermeintliche Offenheit schaffen und bewirkt das Gegenteil, denn in Zukunft werden sich Geheimnisträger dreimal überlegen ob sie ihr - vielleicht auch notwendiges - Wissen mit jemandem teilen.


    Anstatt mehr Offenheit zu bringen erzwingt Wikileaks hier für die Zukunft mehr Schweigen und Vertuschen.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Zitat

    Original geschrieben von Jerome Kerviel
    PS: 2011 wird Wikileaks interne Dokumente zur Arbeitsweise einer US-Großbank veröffentlichen. Spontan hätte ich auf Lehman Bros. getippt, aber die passt nicht ganz ins Bild, denke ich.
    http://www.golem.de/1011/79769.html


    Könnte wetten, dass es Goldman ist...

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