Nein. Horizon2020 ist ein gigantisches europäisches Forschungsprojekt, welches verschiedene Teilbereiche vorsieht (unter anderem Verkehr und Mobilität, in dem wir vertreten sind). Man bildet sogenannte Konsortien aus kooperierenden, europäischen Hochschulen. Ich meine mich daran zu erinnern, dass man nur innerhalb eines solchen Konsortiums, also einer Kooperation von 2 oder mehr Hochschulen, die zwingend außerhalb des eigenen Landes liegen müssen, an dem Projekt teilnehmen darf und dann auch ggf. Mittel bekommt. Die Schweizer Hochschulen duften also im Rahmen solcher Konsortien daran teilnehmen. Die Projektantragsphase liegt bei Ende März. Durch die neuen Tendenzen hat die EU diese mögliche Teilnahme nun erstmal gestoppt. Was aus Horizon2020 wird, steht für die Schweizer Hochschulen in den Sternen. Im Worst Case ist die geleistete Arbeit verloren.Von armen Hochschulen, die mit EU-Mitteln gefüttert werden, kann also keine Rede sein. Wir arbeiten in ähnlichen Projekten zum Teil mit Hochschulen aus Russland zusammen, die auch nicht gerade der EU-Mittelpunkt sind. ![]()
Bei Erasmus gilt das gleiche. Für das kommende Semester gelten die Erasmus-Regeln noch, alles weitere ist vorerst gestoppt. Das hat ganz erhebliche Auswirkungen auf die Hochschulen und die Qualität des Angebotes: Zum einen müssen sich viele Institute fremdfinanzieren, sprich einen gewissen Teil Ihres Budgets durch Projektakquisition erwerben. Zum anderen soll die Internationalisierung weiter vorangetrieben werden, was ein Qualitätsmerkmal Schweizer Hochschulen darstellt. Insbesondere in der Forschung arbeiten viele internationale Wissenschaftler zusammen. Aber auch der Austausch von Studierenden im Rahmen internationaler Profile basiert auf Erasmus. Der Wegfall dieser Erasmus-Partizipation hätte erhebliche negative Auswirkungen.
Auch wenn es mich gerade selbst begrifft (bald nicht mehr), ist es wichtig zu sehen, welche weitreichenden Auswirkungen solche Entscheide haben. Unserem Polemik-Toni kann es gar nicht schnell genug gehen mit der Begrenzung, auf der anderen Seite kann man die "Konsequenzen" noch gar nicht abschätzen. Diese Dinge sind erst der Anfang. Die SVP sieht die Schweiz gegenüber der EU unterwürfig in der jetzigen Rolle und würde wohl lieber gegenteiliges sehen. "Dann machen wir den Gotthard dich" sind nur einige der Sprüche als Reaktion auf die ersten Signale aus Brüssel. Ich befürchte, dass ist erst der Anfang einer Kampagne, deren Auswirkungen (beidseitig) noch gar nicht abzusehen ist.