Germanwings Maschine (A320) von BCN nach DUS abgestürtzt

  • Zitat

    Original geschrieben von Gag Halfrunt
    Jedes Jahr sterben mehrere hundert Menschen in Deutschland im Zusammenhang eines Selbstmords eines anderen. Und jetzt, wo einmal ein Pilot durchgedreht ist, verfällt man in Aktionismus?


    Aber er hat 16 Schüler auf dem Gewissen!!!11 :rolleyes:

    Meine Beiträge können Spuren von Zynismus und Sarkasmus enthalten.

  • Zitat

    Original geschrieben von Gag Halfrunt
    Das Problem lässt sich nicht lösen.


    Sobald die persönliche Existenz bzw. eine bestimmte Leistungs- oder Lebensvorstellung davon bedroht ist, wenn man eine Krankheit offenbart, dann wird derjenige das möglichste unternehmen, um dies zu verhindern.


    Das gilt überall.


    Es ließe sich aber abmildern. Es müsste dafür gesorgt werden, daß (auch) die Piloten es nicht als Ende der Existenz empfinden, wenn sie ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Man müsste (nicht nur für Piloten) attraktive Perspektiven bieten. Statt dessen droht unsere Gesellschaft mit Hartz IV und Lamaausführen...

  • Zitat

    Original geschrieben von Gag Halfrunt
    Gebrochene Knochen kann man auf einem Röntgenbild sehen. Stoffwechselerkrankungen im Blutbild. Psychische Erkrankungen hingegen lassen sich nicht zuverlässig diagnostizieren. Man darf hier nicht vergessen, dass Piloten überdurchschnittlich intelligent sind -- ja sein müssen. Das bedeutet auch, dass die meisten von ihnen fähig sind, sich auf Psychotests so weit vorzubereiten, dass sie sie trotz vorhandener Erkrankung mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit bestehen.


    Speziell die Lufthansa traut sich im Rahmen des berühmt-berüchtigten DLR-Tests zu, insbesondere auch charakterlich zum Konzern passende Kandidaten auszusieben. Okay, da geht es nicht speziell um die Gesundheit sondern mehr den Charakter. Aber man bildet sich eine Meinung über die Persönlichkeit des Bewerbers.


    Später dann reitet man weiter auf den hohen Sicherheitsansprüchen und der besonderen Performance der LH-Piloten herum, was ich einerseits als Imagewerbung verstehe, andererseits als Unsinn empfinde weil auch anderswo gute Piloten fliegen. Aber egal. Man ist bei LH der Meinung, man könnte aussieben, wer richtig gut ist.


    Geht es dann um die Frage nach der psychischen Gesundheit, herrscht Schweigen im Walde. Wie ich schon schrob, das ist kaum zu lösen im Moment, aber dennoch unbefriedigend. Man setzt überall sehr, sehr hohe Standards, und geht es dann um die geistige Gesundheit heißt es nur: "Tja, da können wir nüscht machen, das ist das allgemeine Lebensrisiko."



    Zitat

    Original geschrieben von Gag Halfrunt
    Wir haben doch alle naselang diese Debatten von irgendwelchen Kinderschändern oder sonstwelchen Triebtätern, die nach zig Jahren Knast entlassen werden, weil ein psychologisches Gutachten belegt hat, dass derjenige keine Gefahr mehr darstellt. Und kaum ist er draußen, geht das Spiel weiter.


    1. Aha, man ist im Falle von Kinderschändern also durchaus der Meinung, die psychische Situation eines Probanden von außen beurteilen zu können. Bei Piloten heißt es "geht nicht". Ja was denn nun?


    2. Ich kenne keine genauen Zahlen, aber zu untersuchen wäre, bei wievielen es denn wirklich schief geht. Du hörst von den Fällen, wo es tatsächlich zu Rückfällen kam, nicht aber denen, wo nichts mehr passiert ist. Wäre mal interessant zu erfahren, welche Trefferquote hier erzielt wird.


    Zitat

    Original geschrieben von Gag Halfrunt
    Lasst uns doch mal realistisch sein: Seit wie vielen Jahren gibt es Passagierluftfahrt? Wie viele Piloten gibt es? Und wie viele Unglücke dieser Art sind bisher vorgekommen?


    Neben dem aktuellen Fall weiß ich spontan von Egypt Air 990, einer 737 von Silk Air, in Afrika gab's kürzlich einen vergleichbaren Fall. Man müsste auch hier mal googlen. Es mag nicht alltäglich sein, aber es ist auch kein einzigartiger Sonderfall.


    Zitat

    Original geschrieben von Gag Halfrunt
    Irgendwo muss man sich einfach mal damit abfinden, dass überall dort, wo Menschen in Schlüsselpositionen sitzen, Unfälle und Unglücke passieren, die auf menschliches Versagen oder Vorsatz zurückzuführen sind.


    Nein, damit darf man sich nicht abfinden! Das Ziel muss sein maximale Sicherheit anzustreben. Natürlich immer nach Güterabwägung mit konkurrierenden Anforderungen. Aber sich einfach damit abfinden, dass Leute in brisanten, lebensentscheidenden Funktionen überhaupt nicht begleitet/geführt/kontrolliert werden, das kann es nicht sein.


    30% aller Menschen erleben im Laufe ihres Lebens eine psychische Erkrankung. Dafür darf man niemanden ächten und derjenige muss seine sozialen und beruflichen Standards halten können. Aber es ist inakzeptabel, dass andere Menschen ihr Leben dafür zur Disposition stellen sollen, dass man Verantwortlichen ganz lapidar vertraut weil man glaubt, dass es anders nicht geht.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Zitat

    Original geschrieben von kmak
    Es ließe sich aber abmildern. Es müsste dafür gesorgt werden, daß (auch) die Piloten es nicht als Ende der Existenz empfinden, wenn sie ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Man müsste (nicht nur für Piloten) attraktive Perspektiven bieten. Statt dessen droht unsere Gesellschaft mit Hartz IV und Lamaausführen...


    Ist eine Abmilderung überhaupt möglich, wenn der Beruf für denjenigen das Ein und Alles ist? Bei einem Piloten, was soll die Abmilderung sein, wenn er seine Fluglizenz in Gefahr sieht? Ich denke mal nicht, dass es bei dem aktuellen Fall um die Angst vor Hartz IV ging, sondern eher um das drohende Flugverbot. Da wäre auch sicherlich das "sanfte Fallen" in einen gut bezahlten Bürojob am Boden keine wirkliche Abminderung für denjenigen.

    28:6:42:12

  • Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Bei einer Brötchenverkäuferin sehe ich gelassen und finde richtig, wenn die eine psychische Erkrankung zur Vermeidung persönlicher Nachteile stillschweigend behandeln lässt.


    Ein Pilot trägt aber Verantwortung für tausende Menschen - in seinem Flugzeug, in anderen Flugzeugen und auch am Boden. Dass man im Falle psychischer Krankheiten einfach nur auf dessen Krankheitseinsicht und Integrität setzt, ist mir ehrlich gesagt zu dünn.


    Bei so einen Flugzeugabsturzt sterben dann zwar auf einmal viele Menschen, insgesamt aber sehr wenig, weil sowas selten ist, das ein Pilot mit unbekannten Passagieren Selbstmord begeht.


    Viel oefter passiert es das die normale Broetchenverkaueferin ihren Exfreund, ihren Vorgesetzten, ihren Vermieter oder die gehassten Nachbarn toetet und sich dann selber.


    Bei Selbstmordgefaehrdeten Personen also die Exparter, Nachbarn und Vermieter warnen wuerde effektiv mehr Menschenleben retten als die Arbeitgeber von Piloten warnen - aber das waere trotzdem nicht wuenschenswert.

  • Zitat

    Original geschrieben von Daniel_23
    Kannst dich gerne hier anmelden und nachlesen was die Spezifikationen für den A320 sind.

    Danke für den Hinweis auf einen 78 seitigen Thread...
    Was denkst du weshalb ich mir die Mühe gemacht habe dir zu schreiben auf wessen, offensichtlich qualifizierte, Aussage ich mich berufe?
    Wenn du nur quengeln möchtest tu das wo anders.
    Wenn du mehr weist dann werde konkret.
    Danke!

    Dieser Eintrag wurde 624 mal editiert, zum letzten mal um 11:24 Uhr

  • Zitat

    Original geschrieben von c-walt
    Ist eine Abmilderung überhaupt möglich, wenn der Beruf für denjenigen das Ein und Alles ist?

    Und das gilt nur für Piloten? Auch für manch LKW fahrer ist der Job das ein und alles. Jeder muss für den Fall der Fälle selber vorsogen.

  • Mich nervt die zunehmende Fixierung auf die (immer noch nicht bewiesene!) depressive Phase (zum Flugzeitpunkt!) und die daraus resultierende monokausale Erklärung (bzw. dessen Versuche); die Versuche sind im gesamtgesellschaftspolitischen Kontext auch gefährlich. Wohin das nämlich führt, sieht man an diversen Statements von Politkern und der Diskussion hier Forum. Wie bereitwillig (und vor allem schnell!) die ärztliche Schweigepflicht geopfert werden soll, wundert mich tatsächlich extrem. Eigentlich können wir die anwaltschaftliche Schweigepflicht doch auch gleich abschaffen, wenn wieder mal ein Airbus abstürzt und die Ursache nicht geklärt ist.


    Der Zusammenhang zwischen Depressiv und Selbstmord ist nicht so einfach, wie er hier von den Laien dargestellt wird.


    Georg Restle dazu:


    "...Depressionen erhöhen zwar die Suizidgefahr, aber nicht das Aggressionspotenzial. Depressive Menschen werden weit seltener straffällig als Menschen ohne Depressionen. Schmerzhaft einfach ausgedrückt: Wer an Depressionen leidet, richtet vielleicht sich selbst, aber nicht andere...."


    Wir werden vielleicht nie erfahren, was wirklich passiert ist. Und selbst wenn es so passiert ist, wie es passiert sein soll: Monokausale Erklärungen und einseitige (politische) Folgen bringen die Gesellschaft nicht weiter.


    Daher, wie immer mein Lieblingsstichwort: An der Medienkompetenz arbeiten. Nur das dieses mal auch die gesellschaftspolitische Kompetenz dazu kommen sollte.


    Im Übrigen gilt das gleichermaßen für den Co-Piloten (und dessen Angehörige), sowie für die Opfer. Ich sage nur Emma und Co.

    Suche: aktuell nichts


    30 positiv in der "neuen" Vertrauensliste, ??x mal positiv in der "Alten"..:-)


    Insider: Die Plaaaaaattttttttforrrrrrrrmmmmmmmmmm brennt nicht mehr, sie ist abgesoffen.....!

  • Zitat

    Original geschrieben von Printus
    ...
    Ein Pilot trägt aber Verantwortung für tausende Menschen - ...


    Eben! Der Pilot trägt die Verantwortung und das finde ich auch gut so. Wer sonst sollte die Verantwortung für den reibungslosen Ablauf des Flugs übernehmen.



    Zitat

    Original geschrieben von Gag Halfrunt
    ...
    Irgendwo muss man sich einfach mal damit abfinden, dass überall dort, wo Menschen in Schlüsselpositionen sitzen, Unfälle und Unglücke passieren, die auf menschliches Versagen oder Vorsatz zurückzuführen sind.
    ...


    Die "Zwei-Personen-Regel" im Cockpit könnte der Beginn einer Ära sein, in der jedem Verantwortlichen ein Kindermädchen zu Seite gestellt wird, dessen Aufgabe darin besteht, den Verantwortlichen von Amokläufen abzuhalten. :rolleyes:


    Wie gut, dass Polizeiautos vier Sitze haben und -motorräder zwei. :D

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