Streiks - veraltetes Modell?

  • Immer wieder erlebt man Streiks. An sich ist das Prinzip ja klar, aber wieso schafft man es nicht ohne Streiks irgendwas zu regeln?


    Insbesondere, wenn man überlegt, dass die finanziellen Schäden für den Arbeitgeber (AG) durch einen Streik viel höher sind als die Gehaltserhöhungen.


    Beispiel: Lufthansa Streik.


    Finanzieller Schaden: 30 Mio Euro


    Falls man direkt 5% erhöht hätte, sagen wir mal pauschal 50€ mehr für jeden Mitarbeiter pro Monat, wären es in einem Jahr ca. 4 Mio € mehr.


    Warum nimmt dann der AG so was in Kauf? Wieso sind überhaupt AG nicht in der Lage, vor einem Streik mal ordentlich zu verhandeln an einem Tisch? Wir sind ja im 21 Jahrhundert. Da muss doch sowas möglich sein.


    Die haben 30 Mio € Ausfall und müssen zusätzlich noch mehr Gehalt zahlen. Der AG zahlt also mehr drauf. Man muss ja hinzu rechnen, dass das Image Schaden um so größer ist. Flug- und Bahnausfälle hängen beim Kunden länger im Gedächtnis. Wäre es nicht sinnvoller, direkt auf die Forderungen einzugehen? Gut, müssen jetzt nicht 5% sein, aber ich denke, Verdi wäre auch mit 4% zufrieden anstatt nur 2% anzubieten.


    Wieso nehmen Firmen so was in Kauf?

    Dodge This!
    Rules of Acquisition: Free advice is seldom free. [Nov2011-Marke7000 // Nov2012- Marke 8000 // Inventar-Status seit Januar 2012-Juchu]

  • Re: Streiks - veraltetes Modell?


    Zitat

    Original geschrieben von Sliders
    Verdi wäre auch mit 4% zufrieden anstatt nur 2% anzubieten.


    Der Verdi kommt es nur darauf an. Gestreikt wird ja nur da wo es Publicity gibt.
    So werden z.B. weder Friseure, Leiharbeiter oder ähnliche Unternehmen bestreikt.
    Dort Arbeiten nämlich deutlich mehr Menschen und die kosten (streikgeld) für die Verdi wären deutlich höher.
    Zumal das auch Branchen wären wo es not täte das sich dort die Lohne/Gehälter verbessern.

  • Wobei die Verdi pro streikenden mit verdient.Desto größer der Lohn, desto höher der Mitgliedsbeitrag.
    Zwar prozentual gering der Gewinn der Verdi, aber die Masse macht es.

    Life is too short to be small.

  • Zitat

    Original geschrieben von kinslayer
    Wobei die Verdi pro streikenden mit verdient.


    Die ver.di schüttet aber keine Gewinne aus. Nutznießer sind Mitglieder und Branchenarbeiter, die evtl. auch von den errungenen Tarifvereinbarung profitieren. Von daher geht es ver.di im Fordergrungd nie darum, mehr Geld für sich rauszuholen, sondern mehr Geld für deren Mitglieder rauszuholen und das ist legitim.

    Vor dem Fragen - bei https://www.prepaid-wiki.de nachschlagen!


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  • Zitat

    Warum nimmt dann der AG so was in Kauf? Wieso sind überhaupt AG nicht in der Lage, vor einem Streik mal ordentlich zu verhandeln an einem Tisch? Wir sind ja im 21 Jahrhundert. Da muss doch sowas möglich sein.


    Ein Streik ist immer auch ein Machtkampf. Würde der AG sofort nachgeben, dann ist das schlecht für ihn in einem kapitalistischen System.


    Zitat

    Der Verdi kommt es nur darauf an. Gestreikt wird ja nur da wo es Publicity gibt.
    So werden z.B. weder Friseure, Leiharbeiter oder ähnliche Unternehmen bestreikt.


    Wenn der Organisationsgrad niedrig ist, bringt ein Streik nix. Bestreikt wurde aber z.B. auch lange NEUPACK (kannst ja mal googeln), die als Joghurtbecherhersteller nicht publicityträchtig sind.


    Zitat

    Wobei die Verdi pro streikenden mit verdient.Desto größer der Lohn, desto höher der Mitgliedsbeitrag.
    Zwar prozentual gering der Gewinn der Verdi, aber die Masse macht es.


    Verdi kann der Gewinn egal sein, eine Gewerkschaft ist nicht profitorientiert. Davon abgesehen kostet ein Streik eine Gewerkschaft zunächst einmal dick Geld. Natürlich zahlt der Arbeitgeber an Streiktagen keinen Cent Gehalt aus. Dafür zahlt die Gewerkschaft Streikgeld an die streikenden Mitglieder, damit der Streik überhaupt durchgehalten werden kann. Dieses Geld kommt natürlich aus der Gewerkschaftskasse.

  • Streikrecht ist ein hohes Gut.
    Tendenzbetriebe und Kirchen natürlich ausgenommen.


    Wer aber noch immer nicht gemerkt hat, dass Verdi bzw. der Bsirske in letzter Zeit eher auf Krawall statt Lösungen aus sind, der sollte sich mal etwas näher mit der Materie beschäftigen.
    Gerade bei den Warnstreiks.


    Auch und gerade die Aktionen bei Amazon sind nicht die Fälle, die eigentlich auf die Agenda müssten. Da gibt es viel wichtigere Fälle.
    Diese bringen aber keine Aufmerksamkeit oder sind eher aussichtslos.


    Das Thema Lufthansa muss man vor dem Hintergrund der Probleme bei Lufthansa sehen.
    Die Löhne an sich sind gerade bei Lufthansa-Beschäftigten nun wirklich nicht das Problem.


    Grundsätzlich habe ich Verständnis für schlechte Laune, wenn einem Einschnitte drohen.
    Das liegt in der Natur der Sache, egal auf welchem Niveau man sich befindet. Weniger ist halt weniger. Das kann man nicht wegdiskutieren.

    Beste Grüße
    W.

  • Re: Streiks - veraltetes Modell?


    Zitat

    Original geschrieben von Sliders
    Wieso nehmen Firmen so was in Kauf?


    Zwei Denkanreize:


    - Eine "Firma" ist kein homogen agierendes Wesen, sondern ist eine Menge von Akteuren mit Eigeninteressen, Zielvereinbarungen, variablen Vergütungen usw. Die "Schuld" für Streikausfälle lassen sich nicht ohne weiteres auf einen Kopf pinnen, die Mehrausgaben für Löhne und Gehälter aber schon.


    - Es geht meist um Aktiengesellschaften die gewisse Finanzdaten veröffentlichen müssen. Ein Mehrbetrag bei Personalkosten hat eine ganz andere Wirkung als bei sonstigem betrieblichem Aufwand. Die Beträge gehen auf ganz unterschiedliche Art und Weise in verschiedene Kennziffern ein.

    "That's not a hair question. I'm sorry." - 01/31/07 - Never forget!

  • Nun, scheinbar bewirken Streiks eine ganze Menge, wenn ich mir die Forderungen von FraPort am Franfurter Flughafen ansehe:


    16 Euro Stundenlohn für das "Sicherheitspersonal". Die sollten mal lieber schauen, was Feuerwehrleute, Bundespolizisten, und die Flugsicherung verdienen, bei deutlich höherer Qualifikation.....


    http://www.spiegel.de/reise/ak…r-flughafen-a-954680.html

    Suche: aktuell nichts


    30 positiv in der "neuen" Vertrauensliste, ??x mal positiv in der "Alten"..:-)


    Insider: Die Plaaaaaattttttttforrrrrrrrmmmmmmmmmm brennt nicht mehr, sie ist abgesoffen.....!

  • Zitat

    Original geschrieben von Timba69
    Die sollten mal lieber schauen, was Feuerwehrleute, Bundespolizisten, und die Flugsicherung verdienen, bei deutlich höherer Qualifikation.....


    Nein, die sollen mal schauen, was Bundestagsabgeordnete verdienen, bei wesentlich geringerer Qualifikation ... :p

  • Hallo!


    Solange es das Streikrecht noch gibt sollte man es ausnutzen. Nach dem Willen der EU wird das Streikrecht bald indirekt eingeschränkt. Und das sollten sich die deutschen Bürger nicht gefallen lassen.


    Gruß, René

    Ignorantia iuris nocet
    quod non in foliis non est in mondo

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