Zivildienst auf 9 Monate verkürzt - ab 2008 keine Zivistellen mehr

  • http://www.ftd.de/pw/de/1073815402981.html?nv=hpm


    Zitat

    Aus der FTD vom 12.1.2004
    Regierung kürzt Zivildienst auf neun Monate
    Von Tina Stadlmayer, Berlin


    Der Zivildienst wird im Herbst von zehn auf neun Monate verkürzt und voraussichtlich ab 2008 ganz ausgesetzt. Davon gehen die Wohlfahrtsverbände nach Gesprächen mit der Bundesregierung bei ihren Planungen aus.


    (...)


    Was haltet ihr davon? Aus diversen Threads weiß ich noch, dass es hier doch recht viele (Ex-) Zivis gibt.
    m.E. nach ist dieser Vorschlag völliger Schwachsinn, da der Nutzen des Zivildienstes im Vergleich zum Wehrdienst ungleich höher ist. Im übrigen ist das ganze mit einer nicht unerheblichen finanziellen Belastung für die caritativen Organisationen verbunden.
    Ich persönlich würde sehr gerne Zivildienst machen, vieleicht schaffe ich es bis 2007 (Ausbildungsende) ja noch. ;)


    Die wichtigste Frage wird in dem Artikel noch gar nicht beantwortet: Was mache ich als Wehrdienstverweigerer?


    MfG,
    Helge

    Die Tastatur liegt einsam dort, weil father in der mother bohrt (Willy Astor)

  • Ich muss ehrlich sagen, dass ich vor Dienstbeginn es nicht einsah, warum ich Zivildienst machen sollte. Alle reden von kürzeren Ausbildungszeiten und dass die Deutschen zu alt sind, wenn sie in den Beruf einsteigen. Meine ehem. Klassenkameradinnen sind jetzt alle im 3. Semester, wir erst im 1.
    Als ich dann bei der Kath. Sozialstation in Stuttgart angefangen hab, hat mir die Arbeit immer mehr Spaß gemacht, es hat mir persönlich bestimmt nicht geschadet, mal hinter die Fassaden unserer Gesellschaft zu schauen und zu sehen, dass es Menschen gibt, die Hilfe und Unterstützung brauchen und man selber ganz schnell in so eine Situation geraten kann.
    Mir haben die 10 Monate sehr viel gebracht. Aber ich bin trotzdem dafür, dass der Dienst jetzt abgeschafft wird, weil er einfach nicht gerecht ist.
    1. werden nur noch Zivis eingezogen, die besser als T3 sind
    2. wer von Anfang an sagt, dass er zum Bund geht, hat gute Chancen, gar nicht machen zu müssen.
    3. Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau.
    Menschen, die trotzdem freiwillig etwas soziales machen wollen, können auf das immer beliebter werdende Freiwillige Soziale Jahr ausweichen. An dieser Stelle mal mein Respekt an alle Leute, die das machen!


    Womit ich mich anfreunden könnte, wäre ein halbjähriger sozialer Dienst für alle (Männlein und Weiblein), den man so legen sollte, dass man mit Ausbildung/Studium anfangen kann, ohne Zeit zu verlieren (am besten gleich nach dem Schulabschluss, da haben die meisten sowieso erst mal eine Zeitlang frei). Aber ich denke mal, dass da der Verwaltungsaufwand zu groß wäre. Deshalb ist wohl die Abschaffung der Wehrpflicht unausweichlich (IMHO gibt es die Wehrpflicht nur noch wegen dem Zivildienst, die Bundeswehr braucht sie nicht mehr).
    In anderen Länder hat die Abschaffung auch geklappt und diese Länder haben auch Sozialsysteme, die mindestens so gut funktionieren, wie unsere.

    Bye bye barring o2 - hello Vodafone D2!
    Das hervorragende Netz und der gute Service sind mir 5€ im Monat mehr wert!

  • Full ACK @ flo1982m :)


    Ich bin nun in der glücklichen Situation dass ich erst zum Bund "gezogen" wurde, dann verweigert habe und nicht zum Zivildienst herangezogen wurde.


    Für mich ist es die Summe der Argumente die die Wehrpflicht absolet erscheinen lässt - unfairness bei der Heranziehung, Männlein/Weiblein, als auch den Nachteil des "verlorenen" Jahres. Ob es nun "verloren" ist, darüber lässt sich sicher diskutieren. Fest steht aber dass einen der Zivildienst aufhält. Wer sich nun eben so sozial veranlagt fühlt und sich unbedingt 10 Monate lang ausbeuten lassen möchte, der soll das machen. Aber die meisten wird es wohl freuen zu hören dass Sie in ein paar Jahren keinen Zivildienst mehr leisten müssen :top:

    "Think globally, act locally."
    "Ein Mann ein Wort, eine Frau ein Wörterbuch" -Boris Becker
    "Ein kluger Mann widerspricht keiner Frau. Er wartet bis Sie es selbst tut."
    "There's no replacement for displacement"

  • Wenn es denn dann mal soweit ist, den Zivildienst (und den Wehrdienst! Nur eines von beiden wäre verfassungsrechtlich nicht zulässig) abzuschaffen, dann wäre das nur ein weiterer logischer Schritt in eine Richtung, die ja schon längst eingeschlagen ist. In der jetztigen Form ist das ungerecht und macht keinen Sinn, denn es werden immer weniger Leute eingezogen und wer sich vorher schon freiwillig einen Ziviplatz gesucht hat ist der Depp.


    Die Frage ist natürlich, die wie Wohlfahrtsverbände und Träger damit umgehen. Sie bekommen ständig Gelder und Ansprüche gestrichen und sollen ab 200X auf die Zivis verzichten? Hmm, das dürfte Probleme geben.


    Keine wirklichen Argumente gegen die Tatsache, daß Frauen zu keinem Dienst herangezogen werden, aber dennoch Fakten zur Berücksichtigung:
    1) Frauen bekommen in unserer Gesellschaft immer noch (zwar seltener) die Kinder und verlieren dadurch idR deutlich mehr Zeit als ein Mann durch den Dienst
    2) Frauen verdienen im Durchschnitt immer noch weniger als Männer für die gleichen Arbeiten...


    Also, ein logischer Schritt aber so recht anfreunden kann ich mich innerlich nicht damit, auch wenn ich für eine Berufsarmee bin...

  • Meiner Meinung nach ist das einen Entwicklung wie sie abzusehen war.
    Der Zividienst wird/wurde doch immer weiter verkürzt, da ist es doch ab einem gewissen Punkt verständlich das er irgendwann ganz ausgesetzt wird.


    Ob das nun gut oder schlecht, fair oder unfair ist sei mal dahin gstellt, allerdings ist die momentane Unsicherheit auch nicht gerade das gelbe vom Ei.
    Ich habe Zivi im Rettungsdienst gemacht und sehe es bei meiner alten Dienststelle immer mehr das auf Zivis verzichtet wird wegen der momentanen Unsicherheit.


    Mal schauen wie das ausgeht.


    bye
    m@rtin

  • Unter den gegebenen Bedingungen ist der Zivildienst für caritative Einrichtungen, speziell in der Altenpflege, -imho- witzlos.


    9 Monate Dienst, abzüglich Urlaub, evtl. krankheitsbedingte Ausfälle, Einführungslehrgang, Anlernphase im Betrieb usw. ist für den Arbeitgeber unwirtschaftlich.


    Wir haben in unserer Einrichtung die Zivildienststellen beim Bundesamt für Zivildienst bereits abgemeldet.


    Gruß ... Andreas

    S/// Xperia Pro mit Telco o2 All in M
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    Vodafone 845 mit netzclub Internet-Flat
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  • Zitat

    Original geschrieben von igel-online
    Unter den gegebenen Bedingungen ist der Zivildienst für caritative Einrichtungen, speziell in der Altenpflege, -imho- witzlos.


    9 Monate Dienst, abzüglich Urlaub, evtl. krankheitsbedingte Ausfälle, Einführungslehrgang, Anlernphase im Betrieb usw. ist für den Arbeitgeber unwirtschaftlich.


    Ich sehe es ebenso ! Zivis sind nur billige Arbeitskräfte. Dafür sollten lieber vernünftig gelernte Fachkräfte dran ! Da stehen genug von auf der Straße !
    Das ist zwar teurer für die Organisationen, schafft aber imho Arbeitsplätze (wenn auch nur bedingt).


    Ich habe das Glück nicht den Zivildienst ableisten zu müssen. Werde daher nach Ende meiner Ausbildung direkt arbeiten gehen können. Es bringt mir den Vorteil, dass ich schneller an Berufserfahrung rankomme, denn die Stellen sind auch in der IT-Branche recht rar !

  • Ich habs an anderer Stelle AFAIR schon mal gesagt: Ich musste seinerzeit auch zum ZD ran. Ich habe es im Vorfeld gehasst. Und dann wars eigentlich OK. Ich hatte mit meiner ZD-Stelle sicher auch ein wenig Glück, aber es war wirklich OK. Im Nachhinein betrachtet war diese Arbeit bisher das Sinnvollste, was ich bisher so gemacht habe. Klar, davon könnte ich nicht leben, es hat zu wenig Geld eingebracht, es würde auch zu wenig Geld einbringen, wenn ich sowas als festen Job machen würde. Aber es war auf jeden Fall eine sinnvolle Arbeit, und ich denke, ich habe auch menschlich einiges hinzugelernt, was ich nicht mehr missen möchte.


    Und trotzdem: Es ist ein Zwang, und selbst rückblickend darauf, dass es mir persönlich eher genützt hat, halte ich es für absolut undemokratisch und eines zivilisierten Landes für unwürdig, Menschen aufgrund ihres Geschlechts (und nichts anderes ist es ja) ohne ihre Einwilligung zu Bund oder ZD zu verpflichten. Ich glaube durchaus, dass es den allermeisten Leuten nicht schadet, das eine oder andere zu tun. Trotzdem halte ich es einfach aus meiner konsequenten Denkweise heraus für falsch.


    Was nun das Problem angeht, welches die karitativen Einrichtungen mit dem Wegfall der ZD-Stellen haben werden: Wir haben in diesem Land derzeit 4.3 Millionen Arbeitslose. Und ich kann aus meiner persönlichen Erfahrung heraus nun wirklich nicht sagen, dass diese Art von Arbeit den Zumutbarkeitsfaktor nicht erfüllen würde. Das Folgende ist natürlich eine Milchmädchenrechnung, aber ich sag mal: Unter diesen 4.3 Millionen Arbeitslosen gibt es mit einiger Wahrscheinlichkeit mindestens soviele Sozialschmarotzer, wie es insgesamt ZD-Leistende gibt. Und solche Leute möchten dann bitteschön auch solche Jobs annehmen. Und wenn sie es nicht tun, bekommen sie halt irgendwann vom Staat gar nix mehr außer vielleicht einer Sozialwohnungsmiete (die direkt an den Vermieter überwiesen wird) und Essensgutscheine.


    Vielleicht findet man dann noch irgendeine Regelung, dass solche Jobs zur Hälfte vom Bund oder den Ländern und zur anderen Hälfte von der jeweiligen Einrichtung finanziert werden. Dies würde die Kostenlawine für die karitativen Einrichtungen etwas mindern, und der Staat spart unterm Strich trotzdem noch, da ein Arbeitsloser weg ist, der steuerpflichtiges Einkommen hat.


    Wie auch immer - denkbar ist Vieles, aber das derzeitige System hat sich schon seit langem überholt. Und dass es damit irgendwann vorbei sein würde, hätte eigentlich jedem klar sein müssen. Das Gejammere über die wegfallenden billigen Zivis kann ich somit kaum nachvollziehen. Zeit zur Ausarbeitung eines Plan B war schließlich genug...

    Ist das eine von den Kirchen, wo man so kleine Cracker kriegt? Ich habe Hunger!

  • Ich bin momentan Zivi bei den Johannitern und mache Jugendarbeit. Soll heißen, daß ich hauptsächlich als Ausbilder (Erste Hilfe Kurse) und Fortbilder unserer Schulsanitäter eingesetzt werde. Der Job ist nicht so ganz koscher, offiziell bin ich MSHD-Zivi. Nun hatten wir in unserer Dienststelle vor ca. 5 Jahren noch weit über 20 Zivis, nun sind es derer 8. Seit Jahren werden uns die Zivistellen weggekürzt, kontingentiert etc, sodaß ich wohl zur letzten Zivigeneration in diesem Bereich gehören werde.


    Die Zukunft gehört mittelfristig dem FSJ anstelle des Zivildienstes. Ein (männlicher) FSJ-ler, der dieses statt Zivi macht kostet die Dienststelle nicht mehr als ein Zivi ("Sold" wird vom BAZ bezahlt), bleibt 12 Monate, kann flexibel eingesetzt werden, muß nicht auf Lehrgänge geschickt werden.


    Ich persönlich bin dankbar für dieses knappe Jahr. Ich muß eh auf meinen Studienplatz warten, ich verdiene in dieser Zeit Geld und der Job macht einfach auch saumäßig Spaß ;-)


    Wird der Zivildienst abgeschafft, so ist es für unsere Sozialsysteme zumindest in der heutigen Situation unabdingbar, das FSJ möglichst attraktiv zu machen. Denn diese billigen Arbeitskräfte werden einfach gebraucht. Und wenn der Dienst auf freiwilliger Basis geleistet wird sollte es nur fair sein, wenn man entsprechend entlohnt wird (Bevorzugung bei der ZVS). Naja, mal sehen wies kommt.


    Greez, Felix

  • Ich habe von November 2001 bis August 2002 Zivildienst geleistet und muß dazu sagen, daß ich am Anfang noch gedacht hatte "so ein Mist du mußt jetzt 10 Monate arbeiten weil du es mußt" aber spätestens dann in meiner zweiten Zivistelle im Krankenhaus-Hausdienst hat mir die Arbeit dermaßen viel Spaß gemacht, daß ich mich an die Dienstzeit einfach als schöne Zeit erinnere. Es gab so viele lustige Momente, man hat nette Leute kennengelernt zu denen ich immer noch Kontakt habe, man hat Geld verdient mit recht einfacher Arbeit und hatte noch Zeit bis zum Studienanfang.
    Das ist die eine Seite, nichtsdestotrotz sehe ich Zivildienst als eigentlich staatlich verordnete Zwangsarbeit die rechtlich nicht so einfach haltbar ist...
    Ein richtiges Problem werden jedoch die Zivi-Dienststellen die wirklich auf die Zivildienstleistenden angewiesen sind wie Diakoniestationen oder Rettungsdienste haben.

    Paranoia strikes deep
    into your life it will creep
    it starts when your always afraid
    you step out of line, the men come
    and take you away
    (stephen stills/ buffalo springfield "for what its worth" 1966)

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